Künstlerinnen in der Rennaissance

Künstlerinnen im toskanischen Herrenclub

Restauratorin Rossella Lari arbeitet an dem Gemälde „Das letzte Abendmahl“ von Plautilla Nelli. Ihren verspäteten Ruhm verdankt die Künstlerin der Stiftung Advancing Women Artists (AWA). Sie hat sich zum Ziel gesetzt, in der männlich geprägten Kunstwelt der Toskana auch die Werke von Künstlerinnen sichtbar zu machen. FOTO: dpa / Rabatti & Domingie

Florenz. Michelangelo, Botticelli, Leonardo da Vinci: Die italienischen Künstler der Renaissance kennt jeder. Restauratorinnen gehen nun der Frage nach: Wo sind die Frauen?

(dpa) Der Museumskomplex Santa Maria Novella beherbergt einen neuen Schatz. Sieben mal zwei Meter misst das Ölgemälde, das seit Oktober in der Klosteranlage im Herzen der italienischen Stadt Florenz ausgestellt ist. Darauf abgebildet ist das Letzte Abendmahl von Jesus und seinen Aposteln. Doch das Kunstwerk stammt nicht von Renaissance-Maler Leonardo da Vinci, sondern von seiner Kollegin Plautilla Nelli. Ihren verspäteten Ruhm verdankt die Künstlerin der Stiftung Advancing Women Artists (AWA). Sie hat sich zum Ziel gesetzt, in der männlich geprägten Kunstwelt der Toskana auch die Werke von Künstlerinnen sichtbar zu machen.

Gegründet wurde die AWA im Jahr 2006 von der US-Journalistin Jane Fortune, nachdem diese mehrere Museen in Florenz besichtigt hatte. „Wo sind die Frauen“, habe sie sich gefragt, erinnert sich Linda Falcone, die Präsidentin der Stiftung. Es habe sich herausgestellt, dass sich in den Sammlungen der Museen sehr wohl Werke von Künstlerinnen versteckten – diese müssten aber dringend restauriert werden.

Vier Jahre dauerte es, bis die aufwendigen Arbeiten an Nellis Abendmahl abgeschlossen waren und das Gemälde in Santa Maria Novella ausgestellt werden konnte. Das Kunstwerk von 1560 sei womöglich „eines der bedeutsamsten Bilder in der Kunstgeschichte“, „die erste und vielleicht die einzige“ Darstellung des Letzten Abendmahls von einer Frau der Renaissance, heißt es auf der Homepage des Museums.

(dpa)
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