Zum Tod von Hannelore Elsner

Bis zuletzt ein Karrierefreigeist

Hannelore Elsner berichtet von ihren Erfahrungen mit dem Filmproduzenten Bernd Eichinger. Foto: Stage Picture FOTO: SAMMY HART

München. Hannelore Elsner ist überraschend im Alter von 76 Jahren gestorben. Die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin drehte mit Freddy Quinn und Bushido, arbeitete für „Opas Kino“ und den Neuen Deutschen Film, bevor ihr eine famose Alterskarriere gelang.

 So prall ist ihre Filmografie, dass sie gleich für mehrere Lebensläufe ausgereicht hätte – es gibt wenig, was Hannelore Elsner nicht gemacht hat, sie war ein Teil der deutschen Film- und TV-Geschichte mit all deren Höhen und Tiefen. Wer außer Hannelore Elsner hat gleichermaßen Filme gedreht mit Freddy Quinn und Bushido, Heinz Erhardt und Franco Nero, arbeitete im Neuen Deutschen Film und stach mit dem „Traumschiff“ in See, spielte in „Lümmel“-Filmen und drehte für Autorenfilmerinnen wie Doris Dörrie und Autorenfilmer wie Oskar Roehler. Hinzu kommt ihre Arbeit als Synchronsprecherin, als deutsche Stimme etwa für Liza Minelli in „Cabaret“ und Fanny Ardant in „8 Frauen“. Und Theater spielte sie auch, darunter an den Münchner Kammerspielen.

Mehr geht kaum in einer bunten und reichen Karriere und in einem Leben, das jetzt für viele überraschend endete – hatte Elsner doch etwas Altersloses an sich und arbeitete kontinuierlich bis zuletzt. Im März hatte Elsner noch die Premiere ihres letzten Kinofilms „Kirschblüten & Dämonen“ begleitet, bis Anfang April drehte sie an einem „Tatort“ aus Frankfurt, in dem sie eine pensionierte Kommissarin spielt. Am Ostersonntag ist Hannelore Elsner in München gestorben, sie wurde 76 Jahre alt. Familienanwalt Matthias Prinz teilte mit, sie sei „überraschend schwer erkrankt“.

1942 ist sie im bayerischen Burghausen zur Welt gekommen, Elsner wächst in München auf und erlebt keine heile Kindheit: Ihr älterer Bruder wird kurz vor Kriegsende von Tieffliegern getötet, ihr Vater stirbt an Tuberkulose, als sie acht ist. Mehr als eine Schule wirft sie hinaus, sie beginnt früh eine Schauspielausbildung in München und bekommt schnell erste Rollen beim Film, der damals vor allem das ist, was später als „Opas Kino“ gegeißelt wird. Elsner spielt Ende der 50er/Anfang der 60er in Schmachtfetzen wie „Freddy unter fremden Sternen“ oder in seichtem Jux wie „Allotria in Zell am See“ – aber auch in einem Film, der bis zuletzt einer von Elsners liebsten blieb: das Ensemble-Stück „Die endlose Nacht“ von Will Tremper, ohne festes Drehbuch improvisiert in einigen Nächten auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof. Ein Stück „Neuer deutscher Film“, bevor es diesen Begriff gab.

top