Mainzer Unterhaus

Hacker im Dienst der Aufklärung

Die Schauspieler (v.l.) Helmut Markwort, Sebastian Zipp, Helmut Schlösser, Gunther Emmerlich (sitzend), Frank Golischewski, Margit Sponheimer, Dennis Johnson und Jasmin Reif im Unterhaus-Theater. FOTO: dpa / Unterhaus Mainz

Mainz. Ganz weit macht sich die Kleinkunstbühne im Keller des Mainzer Unterhauses. Schließlich müssen dort Mittelalter und Gegenwart in Mainz, Straßburg und Rom Platz finden. Die Erfindung des Buchdrucks besingen Gunther Emmerlich, Margit Sponheimer und Helmut Markwort.

Gutenberg steigt vom Sockel seines Denkmals in Mainz und muss sich sehr wundern. Reformation, Digitalisierung und „Fake News“ – und das soll alles eine Folge seiner Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern sein? „Bin ich schuld oder bin ich nicht schuld?“ Diese Frage stellt das erste Musical über Gutenberg, das am Dienstagabend im Mainzer Unterhaus eine vielumjubelte Premiere gefeiert hat.

Viel Prominenz hat Autor und Regisseur Frank Golischewski engagiert, um das launige, sehr unterhaltsame und doch auch informative Stück auf die kleine Kellerbühne zu bringen. Der Dresdner Sänger Gunther Emmerlich spielt Gutenberg, der in einem Lied als Hacker gefeiert wird. Die Mainzer Sängerin, Fastnachterin und Ehrenbürgerin Margit Sponheimer tritt als Fremdenführerin auf und erklärt schwäbischen Besuchern, wer Gutenberg war: „der Steve Jobs der Renaissance“. Mit einer inbrünstig gesungenen und keine Grenze zum Kitsch scheuenden „Moguntia“-Hymne teilt das „Margitsche“ das Publikum: Den Mainzern werden die Augen feucht, andere verdrehen die Augen.

Und dann gibt es noch den ehemaligen „Focus“-Chefredakteur und jetzigen FDP-Abgeordneten im bayerischen Landtag, Helmut Markwort. In der Rolle des Johannes Fust, des Verlegers und Geldgebers Gutenbergs, bedient er gekonnt Klischees, fordert hartnäckig seine Rendite ein und immer wieder „Fakten, Fakten, Fakten“.

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