Kinostart

Suchen und Finden in einem verlorenen Paradies

Ariane Ascarie und Jean-Pierre Darroussin. FOTO: Film Kino Text

Saarbrücken. „Das Haus am Meer“ von Robert Guédiguian ist ein melancholisches Familienporträt.

„Was soll‘s“ – das sind die letzten Worte des Vaters, bevor er einen Schlaganfall erleidet und danach weder gehen noch sprechen kann. Was für den alten Mann ein achselzuckendes Lebensresummé gewesen sein mag, ist für seine drei Kinder noch eine offene Frage. Angèle (Ariane Ascaride), Joseph (Jean-Pierre Darroussin) und Armand (Gérard Meylan) treffen sich im Elternhaus, um vom Vater Abschied zu nehmen. Alle drei sind um die 60 und scheinen die Orientierung in ihrem fortgeschrittenen Leben verloren zu haben.

Joseph hat sich vom einfachen Arbeiter zum Gewerkschafter und Unidozent hochgearbeitet und wurde in den Vorruhestand gedrängt. Armand ist als Einziger in seinem Heimatort geblieben und will das Familien-Restaurant im Sinne des Vaters weiterführen. Die Schauspielerin Angèle ist nicht mehr ins Elternhaus zurückgekehrt, seit ihre kleine Tochter hier vor 20 Jahren im Hafen ertrunken ist. Am Sterbebett des Vaters tasten sich die Geschwister wieder zueinander vor und stellen ihr eigenes, festgefahrenes Leben infrage. Für sein melancholisches Familienporträt „Das Haus am Meer“ (Filmhaus Saarbrücken) hat sich Robert Guédiguian eine gebrochene Idylle ausgesucht. In dem kleinen Küstenort unweit von Marseille schmiegen sich die Häuser in die malerische Bucht. Die kleine Villa über dem Meer hat der Vater mit seinen eigenen Händen gebaut – in dem sicheren Gefühl, ein Stück Paradies zu erschaffen. Aber die goldenen Zeiten, in denen hier Sommergäste und Einheimische rauschende Feste feierten, sind vorbei. Viele Bewohner haben den Ort verlassen: Die Angebote der Makler, die Sommerhäuser für ihre Großstadtkunden suchten, waren zu verlockend. Im Winter gleicht der Ort einer Geisterstadt. Am Hafen patrouilliert die Armee, auf der Suche nach Geflüchteten. Guédiguian mischt diese äußeren Faktoren der Entseelung eines Ortes mit der ganz persönlichen Suche der Geschwister nach emotionaler Verortung. Ein kluger, sensibler Film, der vom Verlieren, Suchen und Finden im letzten Lebensviertel erzählt und unverhofft im Tagespolitischen einen Moment tiefer Verbundenheit findet.

Frankreich 2017, 107 Min., Filmhaus (Sb); Regie: Robert Guédiguian; Buch: Guédiguian, Serge Valletti; Kamera: Pierre Milon; Besetzung: Ariane Ascaride, Jean-Pierre Darroussin, Gérard Meylan, Jacques Boudet, Anais Demoustier.

top