Mark Forster in Saarbrücken

Liebesbotschaften und Telefonstreiche auf der Leiter

Mark Forster vor zwei Jahren in der ZDF-Sendung „Menschen 2017“. FOTO: dpa / Axel Heimken

Saarbrücken. Im Rahmen seiner Clubkonzerte-Tour gastierte Mark Forster am Sonntag in der ausverkauften Garage in Saarbrücken.

Auf der kleinen Tribüne hinten in der Saarbrücker Garage, eigentlich für Menschen mit Einschränkungen vorgesehen, drängelt sich das ganz junge Publikum, darunter viele im Grundschulalter. Sind es nun Eltern, die mit ihren Kindern, oder Kinder, die mit ihren Eltern Mark Forsters Konzert besuchen? Schwer zu sagen.

Doch alle lieben sie den netten Typen mit der Baseball-Kappe, der schwarzen großen Brille und dem sympathischen Lachen aus dem pfälzischen Winnweiler. Und er liebt sie zurück! Konsequenterweise heißt Forsters neues Album denn auch „Liebe“. Mit dem Titel „Liebe“ eröffnet er, nur vom Gitarristen begleitet, den Abend. Der Sänger, Pianist und Songwriter kreiert seit ein paar Jahren nun schon sehr erfolgreich den Mainstream-Soundtrack für junge und junggebliebene Deutsch-Pop-Fans, die ihn vor allem auch als Juror in diversen Talentshows wie „The Voice Kids“ und „Sing meinen Song“ kennen und vergöttern.

Mark ist heute eine Marke. Ein Vollprofi, der mit seiner fröhlich-frechen Art einen super Draht zum Publikum findet. Zur Liebe gehört eben auch Nähe – im quasi intimen Rahmen eines Clubkonzertes wie diesem mit rund 1300 Leuten wird deshalb flugs eine Klappleiter zur B-Stage mitten in der Menge. Auf ihr singt Forster – dezent begleitet von seinem „Orchesterchen“– ein paar seiner schönsten Balladen wie „Genau wie Du“, „Kogong“ oder „Natalie“ (geschrieben für seine Schwester). Mitsingen ist hier Pflicht. Und dann lässt er sich für seinen (gut eingeübten) „Telefonstreich“ ein Handy hochreichen, um Christine, die Schwägerin eines Gastes, anzurufen, die um die Ecke in der Mainzer Straße wohnt. Live verfolgt das vergnügte Publikum, wie er erst deren Mann und dann die zweifache Mutter spontan zum Konzert einlädt. Christine (sie war schon auf der Couch eingeschlafen) erscheint dann tatsächlich noch pünktlich zu den „Chören“ auf der Bühne der Garage – Coup gelungen, Publikum happy. Die Konfetti-Maschinen schießen rhythmische Salven ab. Die Dramaturgie geht auf, zum Ende hin wird es rockig, funky, hip und hop. Viel falsch machen kann er einfach nicht, dieser Berufs-Sympath. Obwohl Forsters Botschaften meist so simpel sind wie sein weißes T-Shirt und gerade das neue Album musikalisch weit weniger hergibt als die Vorläufer. Die meisten Songs klingen ähnlich. Ohrwürmer? Keine. Forster blickt vor und zurück aber konsequent niemals hinter die Dinge. Er besingt die Vergangenheit („Einmal“, „Comeback“), seine Kindheit („Was du nicht tust“) und die Aussicht auf eine glückliche Zukunft („Irgendwann happy“). Mit dieser Art Gefühlsleben ist er die perfekte Projektionsfläche. Ein Pfälzer zum Knutschen, ein Kerl wie du und ich, immer schön auf der sicheren Seite. Forsters sprachlich harmloser HipHop kommt ganz ohne Schimpfwörter aus – und ist doch mitreißend und gut gemacht.

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