Kontrolle und Stempel

Saudische Künstler schaffen sich Freiraum

Abdulnasser Gharem, der als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler Saudi-Arabiens und der Golfregion gilt, in seinem Studio. Foto: Simon Kremer FOTO: Simon Kremer

Riad. Über die Mauer fällt neongrünes und rosafarbenes Licht auf die dunkle Seitenstraße. Eine Metalltür versperrt den Weg in den erleuchteten Innenhof, der mit seinen Skulpturen und Installationen andeutet, dass es sich nicht um ein normales Wohnhaus in der saudischen Hauptstadt Riad handelt.

Mittendrin eine aus Draht gebaute Moschee, die ihr Neonlicht über die Grundstücksmauer nach draußen wirft. Klingelschild und Hausnummer gibt es nicht.

Mit kurzer Schlabberhose, nackten Füßen und dunklen Augenringen sitzt der Mann, dessen Kunstwerke für Hunderttausende Dollar ersteigert werden, inmitten eines wohl geordneten Chaos. Bücherregale, die bis an die Decke vollgestopft sind, stehen an den Wänden. Zeichnungen und Fotos von Projekten hängen dazwischen. „Dies ist ein Ort zum Denken“, sagt Abdulnasser Gharem. „Wir produzieren und zeigen unsere Kunstwerke im Ausland. Aber frei denken können wir hier.“

Gharem gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler Saudi-Arabiens und der Golfregion. 2011 wurde eines seiner Werke in Dubai bei einer Auktion von Christie's für 842.000 US-Dollar ersteigert und machte ihn berühmt. Das Geld, sagt Gharem, habe er für die Ausbildung junger saudischer Künstler verwendet. „Es gibt hier keine richtige Kunstausbildung“, sagt er und zeigt auf die Bücher in den Regalen. „Diese ganzen Bücher findet man hier in Saudi-Arabien nicht. Wenn man hier in eine Bibliothek geht, dann gibt es da nur religiöse Literatur.“ Immer wieder kommt Gharem auf die Philosophen Jürgen Habermas und Baruch de Spinoza (1632-1677) zu sprechen.

top