Große Sehnsüchte

Neumeiers Ballett „Die Glasmenagerie“ gefeiert

Die Tänzer Edvin Revazov als Tennessee (l-r), Alina Cojocaru als Laura Rose Wingfield und Patricia Friza als Amanda Wingfield in "Die Glasmenagerie". Foto: Markus Scholz/dpa FOTO: Markus Scholz

Hamburg. Nach „Endstation Sehnsucht“ bringt John Neumeier Tennessee Williams' Theaterstück „Die Glasmenagerie“ als Ballett auf die Bühne. In der Hauptrolle glänzt Ballettstar Alina Cojocaru.

Wie tanzt eine Frau, die eigentlich nicht tanzen kann, weil sie gehbehindert ist? In seinem neuesten Ballett „Die Glasmenagerie“ nach Tennessee Williams hat John Neumeier eine simple, aber effektive Lösung gefunden: Der linke Fuß von Ballettstar Alina Cojocaru steckt in einem Spitzenschuh, der rechte Fuß in einem Schuh mit Absatz.

Wenn die weltweit gefeierte Solistin, regelmäßiger Gaststar des Hamburg Ballett, normal geht, geht sie nun wie jemand, der gehbehindert ist. Ganz vorsichtig tastet sie sich so voran, zart, zerbrechlich - wie die titelgebende „Glasmenagerie“.

Hamburgs Ballett-Chef John Neumeier hat das Theaterstück als Ballett über die großen Sehnsüchte der Menschen auf die Bühne gebracht. Das Premierenpublikum spendete am Sonntagabend in der Hamburger Staatsoper langanhaltenden Applaus für die knapp dreistündige Inszenierung mit Musik von Charles Ives, Philip Glass und Ned Rorem, die musikalische Leitung hatte Simon Hewett. Im Mittelpunkt des Kammerspiels, das 1944 uraufgeführt wurde, steht das Schicksal der Familie Wingfield, deren Mitglieder allesamt Gefangene ihrer Illusionen und enttäuschten Hoffnungen sind.

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