Zentrum der Poesie

Münchner Lyrik Kabinett wird 30

Rund 65.000 Medien befinden sich im Lyrik Kabinett. Foto: Sven Hoppe/dpa FOTO: Sven Hoppe

München. Es ist ein verwunschener Ort mitten in München, wie gemacht, um dem Brausen der Großstadt zu entfliehen: Nur wenige Schritte vom verkehrsumtosten Siegestor entfernt versteckt sich in einem Hinterhof ein von Efeu und Bäumen umrahmtes Gebäude mit einladenden Glasfronten.

Nur ein unscheinbares Schild über der Toreinfahrt weist auf seine Existenz hin, doch schon im Durchgang verzögern Gedichtzeilen an den Wänden die Schritte. Sie führen den Besucher zum Eingang des Lyrik Kabinetts - einem der wichtigsten Orte für Poesie in Deutschland und Europa. Es feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag.

Die von einer privaten Stiftung getragene Einrichtung vergleicht sich selbst ganz unbescheiden mit den Poesiezentren anderer Länder, wie den französischen Maisons de la Poésie oder der Londoner National Poetry Library. Doch auch der Werbung völlig unverdächtige Experten stimmen dieser Einschätzung zu. Denn die öffentlich zugängliche Bibliothek, das Herz des Lyrik Kabinetts, ist mit mehr als 65.000 rein auf Poesie konzentrierten Medien die zweitgrößte Spezialsammlung Europas.

Dass ihre Leidenschaft für Gedichte einmal solche Kreise ziehen würde, hätte Ursula Haeusgen nie gedacht. Sie eröffnete 1989 einen auf Lyrik und Künstlerbücher spezialisierten Buchladen, in dem von Anfang an Lesungen stattfinden. Er ist der Ursprung des heutigen Lyrik Kabinetts, auch wenn der gleichnamige Laden so schlecht läuft, das er nach nur drei Jahre wieder geschlossen wird. Doch ein eigens gegründeter Vorläufer des heutigen Freundeskreises übernimmt die Bestände der Buchhandlung und führt die Lesungen fort.

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