Filmfestival

Halbzeit in Locarno: Politische Themen dominieren

Die Regisseure Ulrich Köhler (l) und Henner Winckler haben mit ihrem Film „Das freiwillige Jahr“ durchaus Chancen auf den Goldenen Leoparden. Foto: Urs Flueeler/Keystone FOTO: Urs Flueeler

Locarno. Filme zu politischen Fragen haben die erste Hälfte des 72. Internationalen Filmfestivals im schweizerischen Locarno dominiert. Im Hauptwettbewerb um den Goldenen Leoparden sticht der deutsche Spielfilm „Das freiwillige Jahr“ heraus.

Die Regisseure Ulrich Köhler und Henner Winckler verzichten in ihrem Vater-Tochter-Drama über den Werteverlust in der bürgerlichen Gesellschaft auf eine vordergründige Spiegelung. Sie setzen auf künstlerische Originalität. Das macht ihren Film zu einem der Leoparden-Kandidaten.

Stärkster Konkurrent ist momentan ein Spielfilm, der mit finanzieller Beteiligung aus Deutschland realisiert wurde: der brasilianisch-französisch-deutsche Spielfilm „A Febre“ („Fieber“) von Regisseurin Maya Da-Rin aus Brasilien. Auch ihr Porträt eines indigenen Arbeiters zwischen Anpassung und Aufbegehren offeriert scharfe Gesellschaftskritik nicht plump, sondern formal fesselnd und emotional packend.

Beeindruckt hat daneben „Yokogao“ („Ein Mädchen wird vermisst“) von Regisseur Kōji Fukada aus Japan. Stilistisch überaus artifiziell, dabei aber publikumswirksam, beleuchtet er mit der Geschichte einer in den sozialen Medien geächteten Frau die Schattenseiten der modernen Kommunikation. Auch dies ist ein Anwärter auf den Goldenen Leoparden.

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