Wütender Schriftsteller

„Federball“ von John le Carré: Spionage in der Brexit-Ära

Brexit-Gegner John le Carré wettert gegen Donald Trump und Boris Johnson. Foto: Andrej Sokolow/dpa FOTO: Andrej Sokolow

London. Ein Spion mittleren Alters, eine diabolisch clevere Operation des russischen Geheimdienstes und eine niederträchtige Verschwörung - Fans von John le Carré kommen bei seinem neuen Roman „Federball“ auf ihre Kosten.

Doch darüber hinaus ist es auch ein überaus aktuelles Buch: Es geht nicht einfach nur um Spionage, es geht um Spionage in Zeiten von Brexit und Trump.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf als Nat, ein britischer Geheimdienstler, der auf die 50 zugeht, nach vielen Jahren als Agentenführer unter diplomatischer Tarnung nach London zurückkehrt. Sein neuer Job in der Heimat fühlt sich an wie ein Abstellgleis. Ein Lichtblick sind Pläne, das Londoner Haus eines ukrainischen Oligarchen mit Russland-Kontakten zu verwanzen - und Nats Badminton-Spiele mit Ed, einem jungen Mann, der eines Tages scheinbar aus dem Nichts auftaucht und ihn zu einem Match herausfordert.

Beim Bier nach den Spielen macht Ed keinen Hehl aus seinen politischen Ansichten: Er glaubt, dass sich Großbritannien mit dem „beschissenen Chaos“ des Brexits in uneingeschränkte Abhängigkeit von den USA begibt, und hält US-Präsident Donald Trump „für eine Bedrohung der gesamten zivilisierten Welt“. Und Ed verspürt akuten Handlungsbedarf: „Entweder ist Europa am Arsch oder jemand mit Eiern in der Hose findet ein Mittel gegen Trump“, verkündet er einmal. Das wird kein gutes Ende nehmen mit Ed, kommt dem Leser recht früh in den Sinn.

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