„Agentterrorist“

Deniz Yücel schreibt über seine Zeit im Gefängnis

Deniz Yücel stellt sein Buch „Agentterrorist“ in Berlin vor. Foto: Christoph Soeder/dpa FOTO: Christoph Soeder

Istanbul. Seinen vorerst letzten Tag in Freiheit verbringt Deniz Yücel mit seiner Katze und dem türkischen Journalisten Ahmet Sik, der inzwischen Abgeordneter ist. Es ist Weihnachten, der 25. Dezember 2016, eigentlich ein ruhiger Tag in der Türkei wäre da nicht der Artikel in der regierungsnahen Zeitung „Sabah“.

Yücel erfährt aus der Zeitung, dass Kollegen festgenommen wurden, dass er selbst auf einer Fahndungsliste steht - er entscheidet sich, unterzutauchen. „Ahmet ist der letzte Mensch, mit dem ich spreche, bevor das Unheil über mich hereinbricht“, schreibt Yücel.

Das Unheil, das Yücel durchleben musste, bestimmte ein Jahr lang die Agenda der deutsch-türkischen Beziehungen. Von Februar 2017 bis Februar 2018 war der „Welt“-Korrespondent ohne Anklageschrift in der Türkei inhaftiert, bevor er entlassen wurde und ausreiste. Noch immer läuft ein Verfahren gegen Yücel wegen Terrorpropaganda und Volksverhetzung in der Türkei. Präsident Recep Tayyip Erdogan beschimpfte den Journalisten unter anderem als „Agentterrorist“ - eine Wortneuschöpfung, die Yücel zum Titel seines neuen Buches machte.

Es erscheint am Donnerstag und sei auch eine Art „Eigentherapie“, sagt Yücel im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Er halte seine Geschichte zudem für erzählenswert. Yücel schreibt in seinem Buch, warum er in der Sommerresidenz des deutschen Botschafters in Istanbul untertauchte und sich dann doch stellte. Er erzählt über neun Monate Einzelhaft und Misshandlung - über die Kraft, die er durch seine Freunde erhielt und durch seine Frau Dilek, die er im Gefängnis heiratete.

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