Mit Rap an die Spitze

Das Phänomen Capital Bra

Capital Bra beim Tourauftakt in Mannheim. Foto: Uli Deck FOTO: Uli Deck

Mannheim. Es ist ein historischer Moment, ein Stück deutscher Musikgeschichte - daran will zumindest der Hallensprecher gar keinen Zweifel aufkommen lassen. Mehr Nummer-eins-Hits als die Legenden Abba und Beatles habe der Künstler bundesweit eingesammelt, heißt es vor dem Konzert von Deutschlands derzeit wohl erfolgreichstem Rapmusiker in Mannheim.

Dann kommt Vladislav Balovatsky alias Capital Bra auf die Bühne und bringt mehr als 2000 Jugendliche zum Singen und Tanzen. Der Mann mit der Mütze ist ein Phänomen - vom „Wachwechsel im Pop“ schreibt bereits das Fachmagazin „Rolling Stone“.

Für Capital Bra ist Mannheim die erste Station seiner Tournee, die den 24-jährigen Berliner kreuz und quer durch Deutschland führt, außerdem nach Wien und Zürich. Textsicher singen die Besucher an diesem Abend Zeile für Zeile mit, ziehen die Endvokale wie der Sänger auf der Bühne: „Weit und breit keine Gegnaaaa, komm wir wechseln das Themaaaa, ich will 22-Zoll-Rädaaaa, und die Sitze aus Ledaaaa“. Die Songs ähneln einander, es geht um Aufsteigerträume und dosierte Kritik am Staat sowie um Mädchen, Mode, Maschinen. In rund 80 Minuten spielt Capital Bra seine Hits, darunter „Cherry Lady“ und „Neymar“. Den meisten gefällt es.

„Das ist richtig stabil“, sagt der 17-jährige Kai aus Heidelberg. Und die 15-jährige Jana aus Karlsruhe schwärmt: „Also, ich feiere den.“ Fast pausenlos filmen sie abwechselnd den Musiker und sich mit dem Smartphone. Ruhelos tanzt Capital Bra, musikalisch unterstützt von einem DJ, auf der Bühne hin und her - im Dresscode der Straßengang: lässige Kleidung und Baseballcap. Auf seine Frage „Was geht ab, Bratans und Bratinas?“, wie der Musiker seine Fans nennt, folgen „Capi Capi“-Sprechchöre. Es ist für die meisten der jungen Besucher eine ausgelassene Feier - und draußen wartet der Vater im Auto.

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