Schranken der Kunstfreiheit

Kein Mittel der Kunstfreiheit: Liegestütze auf dem Altar strafbar

Der Künstler Alexander Karle machte für ein Kunstprojekt Liegestütze auf dem Altar der katholischen Kirchengemeinde St. Johann in Saarbrücken. Deswegen bekam er Ärger mit der Justiz. FOTO: dpa / Alexander Karle

Saarbrücken. Das Oberlandesgericht des Saarlandes hat den Saarbrücker Künstler Alexander Karle wegen Störung der Religionsausübung verurteilt.

Die Altäre geweihter Kirchen als zentraler Ort der katholischen Religion sind von Künstlern zu achten und zu respektieren. Das hat das Oberlandesgericht des Saarlandes gestern im Fall des Künstlers Alexander Karle (40) klargestellt.

Der Saarbrücker hatte 2016 für sein Videoprojekt „pressure to perfom“ auf dem Altar der Basilika St. Johann Liegestütze gemacht und das Ganze gefilmt. Nach Feststellung des Strafsenats hat sich der Künstler damit wegen Störung der Religionsausübung und wegen Hausfriedensbruchs strafbar gemacht. Der Kunstfreiheit gebühre bei der Abwägung der betroffenen Grundrechte im konkreten Fall kein Vorrang vor dem Grundrecht auf ungestörte Religionsausübung.

Der freie Künstler – damals noch Master-Student an der Hochschule der Bildenden Künste – plante 2016 die Videoinstallation „pressure to perfom“ als Kritik an der Leistungsgesellschaft. Er wollte damit nach eigener Aussage deutlich machen, dass in unserer heutigen Zeit den Menschen „nichts mehr heilig“ sei. Dazu wollte er „ästhetisch schöne Bilder“ produzieren, die den Beobachter nachdenklich machen.

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