Serie Angespielt

Weg von alten Tugenden

Die Weitsicht ist grandios.FOTO: Ubisoft

Zweibrücken. „Tom Clancy’s Ghost Recon: Breakpoint“ ist kein Höhepunkt der Action-Spieleserie.

Ob das ein Fall von Stockholm-Syndrom ist? Oder welchen Grund mag es sonst haben, dass die Frau, die zu befreien uns aufgetragen wurde, weiter gefesselt auf dem Boden kniet und vor sich hinstarrt, anstatt ihre Fesseln zerschneiden zu lassen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als sie ihrem Schicksal zu überlassen und die Mission zu ignorieren. Es ist nicht tragisch, denn es ist nur eine Nebenmission in Ubisofts Open-World-Actiontitel „Ghost Recon: Breakpoint“. Aber es nervt.

Leider ist es nicht der einzige Aspekt, der in diesem Spiel nervt. Da wäre zum Beispiel der Online-Zwang: Auch als Einzelspieler muss man ständig online sein, um spielen zu können. Wird die Verbindung unterbrochen – und das geschah im Test besonders im Hauptquartier des Widerstands zeitweilig im Minutentakt – landet man im Hauptmenü und kann sich anschließend für 20 Sekunden den Ladebildschirm anschauen. Da kann man nach ein paar Spielstunden die Tipps (es sind 74), durch die man sich währenddessen klicken kann, praktisch auswendig.

Oder das fürchterlich unübersichtliche Missions-System, für das man sich über eine über-bildschirmgroße Grafik in immer kleinere Verästelungen klicken muss. Oder das eigentlich überflüssige Crafting-System, für das die Spielfigur im Vorübergehen allen möglichen Kram aufsammelt, von der Blume bis zur Kokosnuss. Oder die unsichtbaren Barrieren, die den Bewegungsdrang des Spielers überraschend zum Beispiel an einem Geländer ausbremsen.

top