Beethoven-Festival

Jenseits von „Tatatataaa“

Anny Hwang bekam schon viele Einladungen namhafter Orchester aus dem In- und Ausland bekommen. Für das „Beethoven+X“-Festival spielt die Zweibrückerin mehrfach in der Region – auch ihre Lieblingswerke. FOTO: Florian Thierer / FLORIAN THIERER

Zweibrücken. Das Festival „Beethoven + X“ feiert den 250. Geburtstag des Komponisten. Die Pianistin Anny Hwang gibt dabei einige Konzerte in der Region.

„Er war ein sehr idealistischer Mensch. Einer, der nicht nachgegeben hat und das spiegelt sich in seiner Musik wider.“ Die Pianistin Anny Hwang beschäftigt sich seit Jahren mit der Musik von Ludwig van Beethoven (1770-1827), an dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr schwer vorbeizukommen ist. Schließlich ist kaum ein anderer Komponist so innig mit einem Motiv verkettet wie der in Bonn geborene Verfeinerer der Wiener Klassik. Die ersten fünf Takte seiner fünften Sinfonie können selbst Klassikmuffel mitschmettern, denn dieses „Tatatataaa, tatatataaa“ aus lediglich vier Noten ist längst universelles Gut. „Beethoven hat die Gelegenheit genutzt, die Menschen zu verbinden“, sagt die aus Zweibrücken stammende Pianistin über einen Effekt, den sie am vergangenen Sonntag in Eppelborn erlebt hat. „Das Publikum hat zwischen den Sätzen applaudiert, was routinierte Konzertgänger nicht machen, ich aber sehr schön finde. Schließlich geht es ja genau darum, den Menschen die Musik so nah wie möglich zu bringen.“ Hwang hat an diesem Abend die erste Sinfonie Beethovens gespielt, schließlich markierte das Konzert den Auftakt des Festivals „Beethoven plus X“, für das die Pianistin die künstlerische Leitung übernommen hat. Organisiert wird das Festival von dem Musikförderverein HA Multikulturelles Orchester aus Dudweiler, der ein vielfältiges Konzept erstellen wollte. So werden bis zum Abschluss am 22. November im Stadttheater Idar-Oberstein mit Hwang noch 16 Konzerte im Saarland, der Pfalz (20. November in Kusel mit Anny Hwang, 13. Juni auf Burg Lichtenberg ohne Hwang) und den angrenzenden Regionen geboten – es spielen verschiedene Orchester, mal Studenten der Hochschule für Musik Saar, der Musikverein Dudweiler oder das Westpfälzische Symphonieorchester.

Für Hwang geht das Festivalprogramm am kommenden Sonntag für das Neujahrskonzert in Dudweiler Bürgerhaus weiter. Ab 18 Uhr stehen neben Werken von Beethoven auch Stücke von unter anderem George Gershwin und Johann Strauss auf dem Programm. Unter Leitung von Götz Hartmann spielt das Orchestre Symphonique SaarLorraine, als Solistin tritt, neben Hwang am Klavier, die Violinistin und Deutschlandstipendiatin der Hochschule für Musik Saar Pauline Kopp auf.

An diesem Abend wird es für Hwang auch darum gehen, den vielschichtigen Beethoven zu fassen zu bekommen, eine Aufgabe, die ihr nicht immer leicht gefallen ist. „Ich fand ihn früher schwer zu spielen, mir fiel Mozart leichter“, berichtet die 30-Jährige und ergänzt, es gebe jene Musiker, denen Beethoven von Natur aus leicht falle und jene, die suchen müssten. „Ich bin eine von denen, die viel suchen.“ Aber genau das sei auch das Interessante. „Seine Musik ist sehr sinfonisch und als Instrumentalist muss man sich diese Klangfarben alle vorstellen können, aber mit den Jahren entwickelt man sich weiter“, berichtet sie. Dazu gehörten auch – nach ein paar Jahren – Neuentdeckungen in den vermeintlich so gut gekannten Werken. „Man entdeckt wieder Neues, versteht auch Motive anders und merkt, dass man doch nicht so viel weiß, wie man vielleicht dachte.“

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