Pariser Ausstellung „Le modèle noir“

Die „sehr schöne Negerin“ heißt Laure!

Paris. Die Pariser Ausstellung „Le modèle noir“ will den schwarzen Modellen in der Kunst ihre Identität zurückgeben.

Herausfordernd blickt die nackte, blendend weiße Olympia dem Betrachter entgegen. Das Gemälde von Édouard Manet löste Mitte des 19. Jahrhunderts in der Pariser Gesellschaft einen Skandal aus. Das Modell, das Motiv der Kurtisane und die grobe strukturierte Malweise sind bis heute Thema unzähliger Abhandlungen. Nur eine Figur blieb fast gänzlich unbeachtet: das Dienstmädchen im Hintergrund des Werkes. Sie hält einen Blumenstrauß in den Armen und sie ist schwarz. Diese junge Frau teilt das Schicksal vieler farbiger Modelle, die den Künstlern über Jahrhunderte oft nur als Staffage dienten. Doch nun hat sie einen Namen: „Laure, sehr schöne Negerin, rue Vintimille, 11, dritter Stock“, hat Manet damals in seinem Tagebuch notiert.

Das Gemälde ist Teil einer Ausstellung im Pariser Musée d’Orsay mit dem Titel „Le modèle noir“. Die Kuratorinnen haben es sich zum Ziel gesetzt, einen neuen Blick auf die Kunstgeschichte zu werfen und die oft nur beiläufig wahrgenommenen farbigen Modelle in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken.

Manche Werke erhalten für die Dauer der Ausstellung sogar einen ganz neuen Titel und dokumentieren auf diese Weise auch die allmählichen Veränderungen im Denken ganzer Gesellschaften. Das Gemälde „Porträt von Madeleine“ dürfte niemandem ein Begriff sein und doch hängt es seit 1818 im Louvre. Der ursprüngliche Titel: „Porträt einer Negerin“, eines der berühmtesten Bilder der französischen Malerin Marie-Guillemine Benoist. Wegen ihrer Ausstrahlung wird die Frau auch die „schwarze Mona Lisa“ genannt. Inzwischen wird es – politisch korrekter – unter der Bezeichnung „Porträt einer Schwarzen“ geführt.

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