Das neue Album von Rammstein

Neues Album von Rammstein

Rammstein, ganz in Weiß. FOTO: Jens Koch

berlin. Morgen erscheint das erste Album der Berliner seit fast zehn Jahren – es klingt wie gewohnt.

Ach, im Grunde suchen sie doch bloß die Schönheit. Natürlich findet man die heutzutage nicht so leicht, man muss sich durch Schmutz graben und die Hinterhöfe der menschlichen Monstrosität durchqueren. Auf ihrer neuen Platte erzählt die Berliner Band Rammstein davon wieder ausgiebig und mit einiger Lust am Ekel. Aber zwischendurch gibt es Stellen, an denen man merkt, dass die oft ölverschmierten Kerle ihren „Kleinen Prinzen“ gelesen haben. So singt denn Till Lindemann in „Weit weg“ dieses: „Wieder ist es Mitternacht / Ich stehle uns das Licht der Sonne / Weil es dunkel ist, wenn der Mond die Sterne küsst.“

Lakonisch „Rammstein“ heißt das neue Album. Wer nun gedacht hat, dass es in den elf Stücken nach der umstrittenen Vorab-Single „Deutschland“ ordentlich zur Sache geht, sieht sich womöglich getäuscht. Die erste CD nach neuneinhalb Jahren wirkt wie ein Ausmalbuch für Rammstein-Klischees. Der Sound brummt gewohnt zünftig bis brünftig, und jedes Lied mutet wie der letzte Logbuch-Eintrag eines Kapitäns vor dem Schiffsuntergang an; das macht das Hören manchmal anstrengend, weil man nach elf Havarien ein bisschen abgestumpft ist. Gegen Ende wird es belanglos, mehr Ach und Krach als Saus und Braus, unfreiwillig komisch bisweilen gar.

Lindemanns im hohen Ton vorgetragene Lyrik changiert ja stets zwischen Schmerz und Schmarrn, zwischen Bellissimo und Beckenbodenbereich, und wohin er in dem Song „Tattoo“ tendiert, möge jeder selbst entscheiden: „Zeig mir deins, ich zeig dir meins / Wenn das Blut die Tinte küsst / Wie der Schmerz das Fleisch umarmt.“

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