Bonds Baumeister

Ken Adam (93) bei der Arbeit, daneben der Entwurf zum Unter- und Überwasserstützpunkt Atlantis aus dem James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte“ (1977). Von hier aus strebte Bösewicht Stromberg nach der Weltherrschaft. Fotos: Andreas-Michael Velten / DanjaqFOTO:

Berlin. Ausgehöhlte Vulkane, Raum- und Unterwasser-Stationen: Mit seinen Arbeiten für die James-Bond-Filme und für Regisseur Stanley Kubrick wurde der Film-Architekt Ken Adam zur Legende. In Berlin würdigt ihn nun eine große Ausstellung.

"Die Filmsets von Ken Adam haben meine Vorstellungskraft ganz entscheidend entfacht. Nicht, dass ich sagen würde ‚Ich baue jetzt das Set von James Bond nach'. Aber die Welt von Ken Adam hat meine Erwartungen an Raum, Licht und Farbe in der Architektur ganz einfach auf ein anderes Niveau erhoben." Das sagt kein Geringerer als Star-Architekt Daniel Libeskind . Der erste James Bond-Kinofilm "007 jagt Dr. No" von 1962 war für ihn - wie für viele andere - eine ästhetische Offenbarung. Damals wurde der futuristische "Adam Style", eine auf Überwältigung, Luxus und Dynamik setzende, neue Dimension des filmischen Szenenbilds, geboren.

Ken Adam , der im Laufe seines Lebens für das Produktions-Design von mehr als 70 Filmen verantwortlich zeichnete, widmet die Deutsche Kinemathek in Berlin nun eine große Retrospektive - die erste umfassende Museumsausstellung zu seinem Werk. "Bigger Than Life. Ken Adam 's Film Design" versammelt neben 250 dynamischen Originalzeichnungen und Storyboards auch eigens für die Ausstellung gebaute Modelle, Fotografien, Filmausschnitte und bisher unveröffentlichtes biografisches Material wie Briefe, Postkarten, private Super-8-Filme und Auszeichnungen - darunter auch Adams zwei Oscars: für "Barry Lyndon" (1976) und "King George" (1995). Aufgebaut ist die Ausstellung nicht chronologisch, sondern motivisch. Beim Rundgang betritt man Verliese und Labore, sieht Villen oder einschüchternde Machtzentralen wie den berühmten "War Room" aus Stanley Kubricks "Dr. Seltsam".

Doch "Bigger Than Life" ist nicht nur diese Ausstellung über den "berühmtesten Production Designer der Filmgeschichte", wie Rainer Rother, der künstlerische Direktor der Deutschen Kinemathek, Adam nennt. Es ist auch eine Schau über die partielle Rückkehr eines in Berlin geborenen, jüdischen Deutschen, der 1934 im Alter von 13 Jahren gezwungen war, dieses Land zu verlassen. 2012 hat Adam, der 1921 als Klaus Hugo Adam geborene Sohn einer angesehenen Unternehmerfamilie, die Kaufhäuser in Berlin , Hamburg und Chemnitz besaß, sein gesamtes, über 5000 Objekte umfassendes Archiv der Deutschen Kinemathek überlassen. Keine Selbstverständlichkeit für einen Exilanten, der Angehörige im Holocaust verloren hat.

Adams zweites Leben fand in London statt. Hier studierte er Architektur und arbeitete als Zeichner in einem auf Luftschutzbunker spezialisierten Architekturbüro. Im Londoner Künstler- und Exilantenstadtteil Hampstead, wo Adams Mutter eine Pension betrieb, um die Familie zu ernähren, sah er erste Bauten der radikalen Moderne, die ihn maßgeblich beeinflusst haben.

1947 ließ Adam die Architekturkarriere sausen und sammelte als Zeichner in den Londoner Studios Riverside und Twickenham erste Filmerfahrung. Roher Sichtbeton, Panoramascheiben, architektonische High-Tech-Labyrinthe voller geheimer Schleusen, mobile Wände, Aufzüge und Tunnel sind seine Welt; düstere Kathedralen der Macht in lebensfeindlichen Umgebungen wie dem Dschungel, dem Meeresgrund oder dem Inneren eines Vulkankraters, entführen den Zuschauer in überlebensgroße Fantasiewelten.

Bei allem Hang zur fantastischen Übertreibung haftet diesen Bauten aber immer etwas real Bedrohliches an. Auch wenn er sie persifliert und ironisiert: Die persönlichen Erfahrungen mit dem Totalitarismus des 20. Jahrhunderts haben sich in Adams Werk tief eingeschrieben. Für die diversen Schurken, Bösewichter und Superhirne der Filmgeschichte mit ihrem theatralisch ausgelebten Hang zu Überwachung und Kontrolle hat er sich grandiose Kulissen ausgedacht. Angesichts der in unserem heutigen Alltag präsenten, viel subtileren Mechanismen digitaler Beobachtung muten sie geradezu transparent und überwindbar an.

Bis 17. Mai 2015. Der Katalog ist im Kerber Verlag erschienen: 208 Seiten, 39,95 Euro.

www.deutsche-kinemathek.de

Adam 1967 in der Vulkankulisse des 007-Films „Man lebt nur zweimal“. Foto: KinemathekFOTO: Kinemathek
Das Fluggefährt aus dem Film „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ von 1968. Foto: Adam / KinemathekFOTO: Adam / Kinemathek
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