BBC-Verfilmung neu auf DVD

Die Mörder sind unter uns – im Esszimmer

Der Inspektor (David Thewlis, links) stört die Tischgesellschaft empfindlich; darunter auch Eric, Sohn der Familie Birling (Finn Cole), der eine Verbindung zu der Toten hat – wie die gesamte Familie. FOTO: Pandastorm / Laurence Cendrowicz

Zweibrücken. Eine junge Frau ist tot, ein Inspektor ermittelt im edlen Landsitz. Das klingt nach Agatha Christie – die BBC-Verfilmung des Bühnenstücks „An Inspector calls“ ist aber etwas ganz anderes.

Ach, das Leben könnte so schön sein. Im britischen Landsitz an einem Frühlingsabend im Jahr 1912 trägt das Personal lautlos das edle Geschirr auf, und am Tisch reichen sich zwei Verliebte die Hände (und Ringfinger) zur Verlobung.  Die junge Sheila ist die Tochter des Industriellen Arthur Birling, der junge Gerald Croft ist der Juniorchef eines ebenso florierenden Konkurrenz-Unternehmens: Hier fusionieren also nicht nur zwei Menschen, sondern auch zwei Firmen, was den Firmen-Senior und Hausherren schon zum Träumen von klassischen Synergie-Effekten animiert: „Weniger Kosten für uns – und höhere Preise für die Kunden.“

Diese abendliche Euphorie wird von einem dunkel gewandeten Inspektor gestört, der plötzlich im Esszimmer steht: Eine ehemalige Arbeiterin der Birling-Fabrik habe sich gerade das Leben genommen, teilt er mit, und beginnt mit seiner Befragung, die zunehmend bohrend wird. Das klingt nach einem klassischen Agatha-Christie-Stoff, so als stünde Hercule Poirot im Salon und parliere etwas weniger blumig als gewohnt. Die BBC-Produktion „An Inspector Calls“, die jetzt bei uns auf DVD erscheint, geht nach diesem Beginn aber in eine gänzlich andere Richtung. Der Fernsehfilm ist eine Adaption des britischen Bühnenklassikers „Ein Inspektor kommt“ von John Boynton Priestley (1894-1984), der 1946 in London Premiere hatte.

Im Stück wie im Film fühlt sich die fünfköpfige Tischgesellschaft gestört, nicht zuletzt von dem selbstsicheren bis arroganten Auftreten des Polizisten, der sich von so viel Geld und Macht nicht einschüchtern lässt. Der Familienpatriarch tut erst einmal so, als habe er den Namen der Arbeiterin – Eva Smith – noch nie gehört. Doch der Inspektor fragt nach, provoziert und blättert im Laufe dieses Abends die bittere Geschichte eines Menschen auf, an dem sich alle im Raum schuldig gemacht haben – jede Person auf ihre Weise, mal durch Unachtsamkeit, mal wissentlich. Die junge Frau hatte einst einen Streik angezettelt, wurde daraufhin vom Firmenpatriarchen entlassen und stürzte dann Sprosse für Sprosse die soziale Leiter hinunter.

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