Zettel an der Scheibe reicht nicht

Das Plakat in der Wilkstraße. Foto: jamFOTO: jam

Zweibrücken. Unfallfluchten insbesondere nach Unfällen beim Rangieren kommen in Zweibrücken täglich vor – nur wenige werden aufgeklärt. Um das zu ändern, hat die Polizei eine Infokampagne gestartet.

Es passiert jeden Tag auf irgendeinem Parkplatz in Zweibrücken : Nach dem Einkauf kommt ein Autofahrer zu seinem Fahrzeug zurück. Doch das ist nicht mehr so unversehrt, wie er es hinterlassen hat. Ein kleinerer oder größerer Kratzer, ein abgebrochener Seitenspiegel oder ein kaputtes Licht. Und weit und breit ist kein Verursacher zu sehen. Der hat sich vom Unfallort entfernt. "In unserem Bereich gibt es statistisch jeden Tag eine Unfallflucht ", sagt der Leiter der Zweibrücker Polizeiinspektion, Matthias Mahl.

"Der Ärger ist dann immer groß", sagt Thomas Klein aus Dietrichingen. Deshalb begrüßte er wie Robert Göller die Flugblattaktion der Zweibrücker Polizei auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarkts an der Wilkstraße. In dem Flugblatt informiert die Polizei , wie man sich als Geschädigter oder Zeuge verhalten soll. "Das ist gut, wenn man weiß, was man machen muss", sagt Wilfried Kissner, nachdem er das Flugblatt durchgesehen hat. Fünf Beamte der Polizeiinspektion verteilten gestern die Informationsschriften.

"Das ist der zweite Teil unserer Schwerpunktaktion zur Bekämpfung der Unfallfluchten", sagt Mahl. Bereits im Frühjahr hat die Polizei an der Wilkstraße vor der Einfahrt auf den Parkplatz der beiden Einkaufsmärkte ein drei Mal drei Meter großes Schild aufgestellt. Unterstützt wird die Aktion vom Innenministerium, der Verkehrswacht Zweibrücken und der Stadt Zweibrücken , die den Platz für das Schild zur Verfügung stellt. Rund 1250 Euro kostet die Aktion mit Schild und 5000 Flugblättern.

Hintergrund des Arbeitsschwerpunkts der Inspektion in diesem Jahr war der Rückgang der Aufklärungsquote bei den Unfallfluchten. Dazu wurde bereits im vergangenen Jahr eine Ermittlungsgruppe Unfallflucht gegründet. 2013 war die Aufklärungsquote von 45,1 auf 39,7 Prozent gefallen. Im vergangenen Jahr war sie auf über 43 gestiegen. Auch in diesem Jahr könnte die Quote wieder in dem Bereich liegen, schätzt Mahl. In den letzten Jahren gab es zwischen 1480 und 1590 Unfälle im Jahr. Dabei entfernten sich zwischen 320 und 360 Verursacher vom Tatort. Die Aufklärung hänge stark von Zeugenaussagen ab, erklärt Mahl. Darum geht es auch mit der Aktion. "Wir wollen der Gleichgültigkeit entgegenwirken." In dem Flugblatt wird deshalb um Mithilfe gebeten. "Für die Aufklärung gibt es zwei Möglichkeiten", sagt Friedrich Pusse von der Ermittlungsgruppe. Zum einen seien das Spuren am Lack oder von Fahrzeugteilen, zum zweiten Zeugenaussagen. In dem Flugblatt wird aufgeführt, wie man sich als Zeuge verhalten soll. Das Faltblatt gibt auch Tipps für Geschädigte. Und es wird darauf hingewiesen, dass eine Unfallflucht eine Straftat ist. "Ich habe nichts gemerkt oder nicht gewusst, was ich machen soll", sind nach Angaben Pusses die häufigsten Aussagen von ermittelten Unfallflüchtigen. Die Schadenshöhe bewege sich zwischen zumeist 100 und 5000 oder 6000 Euro.

"Wenn wir die Leute persönlich ansprechen, bleibt das länger hängen", begründet der Sprecher der Zweibrücker Polizei , Jürgen Seel, die Aktion. Am besten wäre es allerdings, wenn der Unfallversucher das selbst bei der Polizei oder dem Geschädigten meldet, sagt Pusse. "Ein Zettel an der Windschutzscheibe reicht nicht."

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