Prozess am Landgericht Zweibrücken

Gericht sucht Handy mit angeblichem „Vergewaltigungs-Video“

Zweibrücken/Pirmasens .

Gab es dieses Filmchen wirklich? Wenn ja, könnte es möglicherweise als Beweisdokument dafür herhalten, dass es am Pfingstwochenende 2019 in einer kleinen Wohnung in der Pirmasenser Schanzenstraße tatsächlich zu einer gemeinschaftlichen Vergewaltigung gekommen war. Nichts weniger wirft die Zweibrücker Staatsanwaltschaft drei 40-, 21- und 19-jährigen Männern vor. Sie sollen an dem Wochenende 8./9. Juni eine damals 17-jährige Pforzheimerin vergewaltigt haben, wobei die 40- und 19-Jährigen den Beischlaf vollzogen und der 21-Jährige die junge Frau dabei festgehalten haben soll. Die Männer bestritten die Vergewaltigung. Der 19-Jährige gab lediglich zu, damals mit der jungen Frau Sex gehabt zu haben – und zwar einvernehmlich.

Am Dienstag suchte nun die mit dem Fall befasste Erste Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken mit Hilfe mehrerer junger Zeugen nach dem Handy des 19-jährigen Angeklagten. Es soll ihm nach der mutmaßlichen Vergewaltigung bei einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit einem anderen jungen Mann auf dem Pirmasenser Exerzierplatz abhandengekommen sein. Auf dem Mobiltelefon soll sich nach bisherigem Ermittlungsstand ein Video befinden, das die in Rede stehende Vergewaltigung zeigt. Eine am Dienstag gehörte 17-jährige Schülerin sagte dazu aus, das Handy sei dem 19-Jährigen „geklaut“ worden und dann auf dem „Exe“ von Hand zu Hand gegangen. Sie habe nur einen Teil des Videos angeschaut. Darauf sei unter anderem die später Vergewaltigte zu sehen, die „nackt durch die Wohnung gelaufen“ sei und die Männer dabei lauthals zum Geschlechtsverkehr aufgefordert habe. Auch eine befragte 19-Jährige aus dem Bekanntenkreis der drei Angeklagten will von dem Handy gewusst haben, ohne das Video selbst gesehen zu haben. Ein Freund habe das Mobiltelefon in einen Mülleimer geworfen, weil „ein Beweismittel“ darauf gewesen sei – nämlich das „Vergewaltigungs-Video“. Ein 20-jähriger Bühnenarbeiter gab schließlich im Zeugenstand zu, dass er es gewesen sei, der das Handy entsorgt habe. Dazu sei er von seinem „besten Freund“ aufgefordert worden, der ihm das Mobiltelefon zuvor übergeben hatte. Er habe das Handy in einen Mülleimer an der Bushaltestelle in der Pirmasenser Alleestraße geworfen.

Zuvor bestätigte eine Ärztin des städtischen Krankenhauses in Pirmasens, die das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer nach der Tat untersucht hatte, mehrere Hämatome und Kratzer am Körper der jungen Frau entdeckt zu haben, am Hals sogar eine Bisswunde. Die junge Frau, die eine Freundin und eine Polizistin in die Klinik begleitet hatten, habe auf sie „aufgelöst, ängstlich und zerfahren“ gewirkt, habe sich zunächst gar nicht untersuchen lassen wollen: „Sie war ein bisschen bockig.“ Dann habe sie angegeben, in der Wohnung in der Schanzenstraße gegen eine Wand gedrückt, von den Männern geschlagen und mit Gewalt zum Verkehr genötigt worden zu sein. Sie habe „deutlich unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol gestanden“. Ein Test, so die Ärztin, habe einen Blutalkoholspiegel von 1,33 Promille ergeben.

Die Verhandlung wird am 5. Dezember, 9.30 Uhr, fortgesetzt.

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