Kolumne Unsere Woche

Auf beiden Augen taub

FOTO: SZ / Robby Lorenz

Eigentlich ist es ein bisschen billig, über die Bahn herzuziehen. Die Jungs und Mädels haben sicher genug damit zu kämpfen, mit der bröckelnden Infrastruktur einen einigermaßen funktionierenden Bahnbetrieb am Laufen zu halten (mal ganz abgesehen von Ronald Pofalla).

Aber da ich mich jeden Tag darüber ärgere, tu ich es trotzdem.

Der Zweibrücker Bahnhof ist bereits seit Jahren kein schöner Anblick. Die Wartehalle abgeschabt, häufig übelrichend und verdreckt, die Bausubstanz traurig, die Zahl der Leerstände ständig gestiegen (derzeit sind nur noch zwei Firmen im Bahnhof ansässig). Aber nach dem Kauf des Gebäudes durch die Gewobau im Herbst konnte man wenigstens Hoffnung schöpfen. Wie sich in dieser Woche gezeigt hat, ist die höchstens in Teilen berechtigt. Denn damals, als die Bahn noch auf dem ganzen Gelände zuständig war, hat gelegentlich mal jemand das gesamte Gelände in Augenschein genommen. Jetzt hat die Gewobau das Gebäude und die Bahn den „Gleiskörper“ plus Unterführung. (Wahrscheinlich zumindest. Eine Antwort ist die Bahn bis heute schuldig geblieben.) Und niemand kümmert sich um die – nicht neuen – Mängel, die nicht direkt mit dem Gebäude zu tun haben: kalte Duschen über der Treppe zur Unterführung, ein kleiner See wegen verstopfter Entwässerung in der Unterführung selber, Dreck, Abfall, Graffitti. Hier sollte die Stadt im eigenen Interesse mal nachhaken.

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