Musical

Die Hippies erobern die Festhalle

Musik, ausgeflippter Tanz und viel Haar gab es beim Musical „Hair“ in der Festhalle. FOTO: Sebastian Dingler

Zweibrücken. Das bunte und wilde Musical „Hair“ versetzte die Zuschauer am Sonntagabend per Zeitreise direkt ins Jahr 1965.

Wildes und buntes Hippie-Treiben in der Zweibrücker Festhalle am Sonntagabend: Das Musical „Hair“ brachte all die Klischees der singenden und tanzenden Blumenkinder auf die Bühne. Das fing schon am Eingang an, wo zwei langhaarige Hauptdarsteller, Nick Anastasia und Steven Charles, die Besucher einzeln empfingen.

Drinnen war die ausgeflippte Party schon am Laufen: Zum Groove der sehr guten Begleitband (insbesondere Pianist Adam Urbanowicz begeisterte) tanzten die Hippies bereits ausgelassen herum, während die Zuschauer noch ihren Platz suchten. Das brachte den Saal per Zeitreise direkt ins Jahr 1965, den Beginn der Hippie-Bewegung: Protest, freie Liebe, Astrologie, Drogen, knallig bunte Klamotten auf der einen Seite – und der tödlich endende Militärdienst in Vietnam auf der anderen. Die Einführung auf Deutsch der Jeanie-Darstellerin Nadine Kühn lockte dann allerdings auf eine falsche Fährte, denn fortan war mit wenigen Ausnahmen Englisch die Sprache der Handlung. Manches blieb da unklar, zumal auch viel Slang gesprochen wurde. Doch dem überwiegend amerikanischen Ensemble war ja nun mal die deutsche Fassung des Stücks nicht zuzumuten; und außerdem lebte die komplette Show hauptsächlich von Musik und Tanz. Dass die Hauptfigur Claude zum Militär einberufen wird und am Ende als Leiche aus Vietnam zurückkehrt – das verstand das Publikum auch so. Die Rahmenhandlung füllten bekannten Themen und Fragestellungen der Hippie-Bewegung: Welche Drogen (im Song „Hashish“) wurden konsumiert? Was bedeut es, dass sich die Welt im Zeitalter des Wassermanns („Aquarius“) befindet? Wie begründet sich das Streben nach Liebe, Frieden und Freiheit („I Believe in Love“)? Und natürlich: Warum sind lange Haare (“Hair“) so toll? Die große Hymne des Musicals – „Let the Sunshine in“ (Lass die Sonne rein) – wurde zwar gegen Ende ein wenig überstrapaziert. Aber da hatten die Zuschauer eben jenes schlimme Ende von Claude zu verkraften, das in bedrückendem Kontrast zum vorher so unbeschwerten Blumenkinderleben stand. Also gestalteten die 15 Darsteller des Ensembles ihren Abschied vom Publikum ähnlich wie den Beginn: mit einer wilden Party, so lange, bis ein Großteil der 600 Zuschauer stand, klatschte und ebenfalls „Let the Sunhine“ sang. Muss man aber gleich so dick auftragen und mit dem Ensemble-Namen „Broadway Musical Company New York“ so tun, als seien hier Darsteller des höchst renommierten Broadway-Theaters am Werk gewesen? Das und der grelle Gesangs-Sound in der ersten Hälfte waren kleine Wermutstropfen bei einem ansonsten sehr gelungenen Abend. „Am Anfang war es ein bisschen übersteuert, aber im zweiten Teil war es besser“, so empfand den Klang auch Gerda Hettrich aus Martinshöhe, die sich selbst als „Post-Hippie“ bezeichnete. Mit Stirnbändern, wilder Schminke und entsprechender Kleidung hatten sich die Schwestern Ulli Hitschler und Silvia Schindler extra fürs Musical zurechtgemacht. Als Expertinnen, die Hair schön häufiger gesehen hatten, waren sie voll des Lobes für den Abend: „Das war super, richtig schön. Die Stimmen hatten Power, besonders bei den Frauen. Die Darsteller haben Stimmung gemacht, waren mit Herz dabei, die haben das richtig gelebt: Wir waren zufrieden.“

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