Den Geist Siebenpfeiffers bewahren

Fernsehjournalistin Nicola Geck bei ihrer Festrede. Foto: marco willeFOTO: marco wille

Zweibrücken. Sie schreien „Lügenpresse!“ und wollen im Grunde die Abschaffung der Pressefreiheit zugunsten von Medien, die ihre Weltsicht verbreiten: Beim Festbankett der Siebenpfeiffer-Stiftung zeigte Nicola Geck klare Kante gegen Hetzer aller Couleur.

Einheitlich kritisch waren sie, die drei Reden beim Festbankett der Stadt Zweibrücken und der Siebenpfeiffer-Stiftung . Zweibrückens Oberbürgermeister Kurt Pirmann, Theophil Gallo , der Landrat des Saarpfalz-Kreises und Vorsitzende der Siebenpfeiffer-Stiftung , sowie Nicola Geck, die Leiterin des SWR-Studios Kaiserslautern, machten keinen Hehl aus ihrer Beunruhigung angesichts Trump und AfD, Medienbeschimpfung und gezielter "fake news". Den gegenwärtigen Tendenzen die Stirn zu bieten und aktiv für Demokratie , Frieden und Medienfreiheit einzutreten und damit im Sinne Siebenpfeiffers aktiv zu werden, war letztlich der Appell, der vom Festbankett ausgesendet wurde. Damit stand die Veranstaltung, die seit langem noch einmal im bis auf den letzten Platz gefüllten Kundeninformationszentrum der Zweibrücker Stadtwerke stattfand, punktgenau in der Tradition des historischen Vorbilds. Auf den Tag genau vor 185 Jahren hatten sich im Bubenhause^r Gasthaus Ladenberger die Pioniere für Demokratie und Freiheit versammelt, um ihre politischen Forderungen zu artikulieren. Demokratie , Presse- und Meinungsfreiheit waren die zentralen Themen, die Siebenpfeiffer, Wirth und Friedrich Schüler bei eben jenem Fest ansprachen. Nicola Geck, seit acht Jahren Chefin des SWR-Studios in Kaiserslautern, skizzierte detailliert die Methodik, mit der im digitalen Zeitalter Nachrichten verbreitet werden. "Erfundene Zeitungen berichten über erfundene Menschen und Ereignisse, die nie stattgefunden haben". Diese so genannten "fake news" verbreiten sich via Facebook und andere "soziale" Netzwerke in Sekundenschnelle über den ganzen Erdball. "Insofern leben wir tatsächlich in einem postfaktischen Zeitalter", resümierte sie; Facebook und Co. verglich sie mit einem "kollektiven Stammtisch", an dem gelogen werde, "dass sich die Balken biegen". Paradoxerweise seien es aber die seriösen Medien, die sich dem Vorwurf der "Lügenpresse" ausgesetzt sehen. Dieser Vorwurf sei nicht neu, schon im Ersten Weltkrieg, in Nazi-Deutschland und im Zweiten Weltkrieg sowie in der DDR sei er hervorgekramt worden. "Machen wir uns nichts vor: Diejenigen, das das Wort in den Mund nehmen, wollen nichts anderes als die Abschaffung der Pressefreiheit ", betonte Geck. Für Journalisten werde es zusehends schwieriger, den Wahrheitsgehalt zu prüfen, zu filtern, zu recherchieren, was Tatsache ist und was gelogen. "Aber wir müssen uns dieser Aufgabe stellen, und zwar in allen Formaten von der Zeitung bis zum Internet ".

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