Reifenberg feiert

Eine Kerwerede mit Ghostwriterin

Sie sorgten dafür, dass bei der Reifenberger Kerwe in diesem Jahr mächtig die Post abging.FOTO: Norbert Schwarz

Reifenberg. (cos) „Ihr liewe Leit unn Kerwegäscht, mir feiere werre unser Kerwefewschd“, schallt es aus hoher Warte am Wochenende vom Dach des Sportheims der RSC-Kicker, denn einmal mehr ist hier der Dreh-und Angelpunkt der zünftigen Dorfkerwe gewesen, welche, den vielen altgedienten Straußmädels und Straußbuben des Ortes sei dafür extra gedankt, glänzend organisiert war, und ob des tollen Engagements aller einen grandiosen Verlauf nahm.

So etwa bei der Kerwerede vor mehr als 100 Zuhörern, die sich bei der Fußballerbleibe eingefunden hatten und den vielen Neuigkeiten lauschten, diee Alina Hüther und Christian Borst vortrugen.

Muss man für vielleicht extra geschult oder prädestiniert sein für eine Kerwerede? Muss man, und darauf hatte die weithin bekannte Hobby-Schriftstellerin Ute Tretter-Schlecker allergrößten Wert schon im Vorfeld des Schreibens gelegt. Es sind sozusagen ihre persönlichen Vorbedingungen gewesen, um alles in glänzender Versform zu Papier zu bringen. Nichts darf an der Rede verändert werden, keiner darf sie vorher lesen und Kerwerednerin oder Kerweredner müssen sich strikt an die Sprechvorgaben halten, welche die routinierte Stückeschreiberin Ute Tretter-Schlicker  der Rede als Begleitwort beigefügt hatte.

Doch deshalb musste sich die Stückeschreiberin aus Leidenschaft keine Sorgen machen, Alina Hüther und Christian Borst zelebrierten geradezu die Geschichten aus respektabler Dachhöhe, was bei der diesjährigen Kerwerede eine weitere Besonderheit gewesen ist. Doch damit nicht genug, förmlich gespickt war auch die Kerwerede mit solchen Besonderheiten, die sich das Jahr über im kleinen Ort mit der Kapelle ereigneten. „No 20 Joor saad es Michi jetzt is Schluss, e onnerer nun Bürgermeister werre muss. Ess will jetzt nur noch deheem soi Toni mohl ordentlich verwehne. Dann ging im Dorf ess Gerede loos, wer wird de nei Bürgermeister bloß? De Zimmer Pirmin hat nun auch einen Plan, de Mohr hat doch noch net seine Schuldigkeit getan. Er saat sich: wenn ess um so e Poschde geht do bin ich debei. Ehr Leit mache Platz – ich mach jetzt in Reifeberch alles nei. De Zimmer Pirmin alleine am Start und auf weiter Flur, vunn Konkurrenz zum Glück weit und breit keine Spur. Fer de Pirmin war alles schun klar, er tut sich schunn die Finger lecke, als uff die ledschd Minut, de Neffe Thomas noch de Finger tut strecke. Ab dort wurde im Dorf eine Mine los gedreht, der Neff hat sich zwar gemeld, awwer doch viel zu spät. So mancher dumme Sprich vunn sich losst und Hääme, so eniche selten sich heit fer ehr Ausdrucksweis noch schäme. Man sagte, de Thomas hat kee Konzept unn a kee Pläne, ach du Schann, aber ehrlich, warum soll der ebbes verspreche was er garnett halle kann!“

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