Knappe Mehrheit für Rückgabe

Vielen Reifenbergern blutet das Herz

Ob hier noch einmal Fußball gespielt wird? Mit einer knappen Stimmenmehrheit haben die Mitglieder des SC Reifenberg dafür votiert, dass das Sportplatzgelände an die Gemeinde zurückgeht. Die Fläche könnte nun zu Bauland werden. FOTO: Norbert Schwarz

Reifenberg. Die Mitglieder des SC Reifenberg haben entschieden, das Sportplatzgelände an die Gemeinde zurückzugeben.

Knapper hätte das Ergebnis nicht ausfallen können. Mit 14:13 Stimmen haben die Mitglieder des Sportclub Reifenberg bei der Versammlung am Dienstagabend im SCR-Sportheim dafür gestimmt, dass das von der Gemeinde angepachtete Sportplatzgelände trotz bestehender Restpachtlaufzeit von 20 Jahren, vorzeitig an die Ortsgemeinde zurückgegeben wird. Die Gegner der Rückgabe sehen damit das Ende des traditionsreichen Sportclubs besiegelt. „Dass es zu einer solchen Kampfabstimmung kommen wird, damit hatte ich nicht gerechnet“, bekannte der stellvertretende Vereinsvorsitzende Tobias Schliesmeier vor der Bekanntgabe des Ergebnisses.

Der Hintergrund des Votums: Nur noch wenige Mitglieder halten dem SCR die Treue, die meist älteren von ihnen fühlen sich nicht mehr in der Lage, Sportplatz und Vereinsheim so in Ordnung zu halten, wie es notwendig wäre. Die Fußball-Spielgemeinschaft mit dem SV Battweiler wurde bereits im letzten Jahr aufgekündigt. Zwar feierten auch junge Gemeindemitbürger vorletztes Wochenende im Sportheim noch eine zünftige Kerwe – doch die wenigen Engagierten sind der Ansicht, dass von einem Vereinsleben schon längere Zeit nicht mehr zu sprechen sei. Umso erstaunlicher, dass bei der Schicksalsabstimmung jetzt doch eine stattliche Zahl von Mitgliedern kam, um über den einzigen Entscheidungspunkt abzustimmen: Geben wir den Sportplatz als Geländefläche vorzeitig an die Ortsgemeinde zurück oder nicht? Vor Wochen bereits hatte die Vereinsführung um Schliesmeier zu einem umfassenden Informationsabend eingeladen. Damals wurden die düsteren Karten auf den Tisch gelegt. Und im stillen Kämmerlein hatten wohl doch etliche Mitglieder gehofft, dass das Schrillen der Alarmglocken noch vernommen wird. Doch davon sei in den zurückliegenden Wochen nichts zu spüren gewesen, so Schliesmeier. Eine erneute Diskussion um die Kernsache lehnte er in der Versammlung ab. „Es ist alles gesagt, ich habe zum Versammlungsbeginn gefragt, ob noch jemand etwas sagen will – keine Rückmeldung – jetzt stimmen wir ab.“

Einer der sich später dann doch zu Wort meldete ist der langjährige SCR-Fußballer Uli Büffel: „Was will die Gemeinde jetzt machen?“, wollte Büffel wissen. Dass die Fläche eventuell zu Baugelände werden soll – eine Arrondierung der Ortslage bietet sich an – hat sich inzwischen im Ort herumgesprochen. Ortsbürgermeisterin Michaela Hüther, die allerdings für eine weitere Amtszeit im kommenden Jahr nicht mehr kandidieren wird, hat eine solche Nutzungsmöglichkeit schon in Aussicht gestellt, ohne dabei der Ratsentscheidung vorgreifen zu wollen. Wie Tobias Schliesmeier allerdings in der Versammlungsrunde versicherte, habe sich bei den Vorgesprächen mit der Ortsgemeinde zumindest herauskristallisiert, dass der Sportplatz nicht sofort einer anderen Nutzung zugeführt werden soll. Ähnlich äußerte sich auch der Ortsbeigeordnete Thomas Neff, selbst jahrelang aktiver Fußballer bei SCR. Auch ihm blutet das Herz, wenn es um die Vereinsentwicklung seines SC Reifenberg geht: „Wir als Gemeinde werden aber nicht gegen den Verein schießen“, sagt Neff. Und dennoch: nach der 30-minütigen Versammlung halten viele SCR-Mitglieder das Ende ihres Vereines für unausweichlich.

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