Krähenberg

Dreikäsehochs für die Traditionspflege

Der Kerwenachwuchs in Krähenberg muss noch einige Jahre warten, bis er mal Straußbänder knüpfen und eine Kerwerede halten kann. Aber, in den Startlöchern steht er schon, wie das Foto zeigt.FOTO: Norbert Schwarz

Krähenberg. (cos) Nur erahnen lässt sich der Gemütszustand von Ortsbürgermeister Thomas Martin vor den Kerwetagen am letzten Wochenende. Seit mehr als zwei Jahrzehnten sind es am ersten Septemberwochenende stets vier tolle Kerwetage mit Straußmädels, Straußbuben, buntem Kerwestrauß und viel Gaudi gewesen.

Doch dieses Jahr, so schien es zumindest, würden die Hauptakteure fehlen. Keine Straußmädels. keine Straußbuben — keine Kerwerede, nichts. Gaudi und gutes Kerweessen wohl, doch die Würze sozusagen, davon keine Spur, denn die Dorfjugend war für das Spektakel Kerwe einfach nicht bereit.

„Kann mer doch kä bagge losse“, meinte der wiedergewählte Ortsbürgermeister Martin nach außen ganz cool. Um so größer deshalb auch bei ihm die Freude über das, was sich dann doch noch neben bestem Tanzvergnügen und schmackhaftem Kerweschmaus beim Festplatz vor dem Dorfgemeinschaftshaus alles abspielte. Da waren zum einen die rührigen Krähenberger Mütter, die sich seit langer Zeit schon zu einer verschworenen Gemeinschaft mit ihren Sprösslingen vereint habe. Die putzten die Kleinen als künftige Straußmädels und Straußbuben passend heraus, präsentierten die Dreikäsehochs mit dem Dorfsymbol, dem „Krähberjer Kälbche“ und impften sozusagen den Dorfkindern schon jetzt den passenden Gemeinschaftsgeist für Dorftradition und heimatliche Gefühle ein.

Einer, der sich schon immer mit Haut und Haaren für diese Tradition einsetzte, ist Dominik Deller. Zusammen mit dem Nachwuchs sorgte er mit seiner Kerwerede für Furore und allergrößte Gaudi: „Mir han zwar diesjohr ke Straußleit im Ort, weil de enn odder anner ging halt lieber als wo  annersch fort, statt voller Heimliebe se knibbele e Strauß fa die Kerb an unser Dorfgemeinschaftshaus. Awwer was solls, es gebt halt gute un a schlechte Zeite, am kann a ne uff alle Pferde gleich gut reite. Trotzdem han mir kurzfristig enfach beschloss, mir halle die Stellung, notfalls werd mit Kanone uff Spatze geschoss.“

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