Emotionslos bis zum Urteil

Lebenslange Haft für Susannas Mörder

Mit einem Zettel verdeckt Ali B. beim Betreten des Gerichtssaals sein Gesicht, während er seinem Verteidiger die Hand gibt. Die Strafkammer verurteilte den irakischen Flüchtling wegen Mordes zu lebenslanger Haft. FOTO: dpa / Boris Roessler

Wiesbaden. Wegen der Vergewaltigung und Ermordung der 14 Jahre alten Susanna erhält Ali B. lebenslang. Er zeigte keine Emotionen.

Lebenslange Haft wegen Mordes an Susanna: Als der Vorsitzende Richter des Wiesbadener Landgerichts um 9.33 Uhr das Urteil für den irakischen Flüchtling Ali B. verkündet, brechen bei Susannas Mutter alle Dämme. Über vier Monate hat sie sich in dem Prozess eine Vielzahl schockierender Details über die Ermordung ihrer 14 Jahre alten Tochter anhören müssen, unter welchen Umständen die Vergewaltigung des Mädchens stattfand, in welcher emotionalen Kälte sich der 22-Jährige auf der Anklagebank präsentiert.

Auch nach dem Urteilsspruch ist bei Ali B., der mit Bart, einem blauen T-Shirt und Jeans zum letzten Tag des Prozesses erscheint, keine Regung im Gesicht erkennbar. Den Blick zu der weinenden Mutter meidet er. Auch, als ihn der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk in seiner fast dreistündigen Urteilsbegründung am Mittwoch mehrfach eindringlich mahnend direkt anspricht, blickt der 22-Jährige nur kurz auf. Im voll besetzten Gerichtssaal 0.020 herrscht völlige Stille.

Die grausame Tat vor mehr als einem Jahr in einem Waldgebiet nahe dem Wiesbadener Stadtteil Erbenheim führte in der aufgeheizten Debatte um kriminelle Asylsuchende zu einem bundesweiten Aufschrei und steht sinnbildlich für eine gescheiterte Integration von Flüchtlingen. In nahezu jeder politischen Talkshow ist der Name Susanna nach der brutalen Gewalttat zu hören. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) benutzen den Fall als Symbol, um ihre Politik zu erklären und Rechtspopulisten, um gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung ins Feld zu ziehen.

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