Gemeinsam für das Gemüse

Gärtnern, wo und mit wem man es nie erwartet hätte

Im interkulturellen Frauengarten in Dillingen arbeitet man gemeinsam für das Gemüse: Sawsan Mahmaud, Ghaysaa Alsaid, Birgit Loris, Ülkü Ayyildiz und Faizah Ibrahem (v.l.) pflanzen Salat in ein Hochbeet. FOTO: Iris Maria Maurer

Leichter integriert durch gemeinsamen Gemüseanbau und vom geheimen Guerilla-Grün zur offiziellen Patenschaft für einen städtischen Platz – Urban Gardening hilft gegen Heimweh und Hundeklos.

Gärtnern verbindet. Beim Sähen, Hacken und Ernten lernt selbst der gewitzteste Blätter- und Blütenfan noch dazu. Und, Pflanzen mit starken Wurzeln heranzuziehen lässt selbst Wurzeln schlagen. Diese Vorteile des heimischen Familiengartens potenzieren sich in einer kleinen Dillinger Parzelle, die von mehr als einem Dutzend verschiedenen Nationen beackert wird. In dem interkulturellen Frauengarten kommen seit 2016 Neubürgerinnen aus Syrien, dem Iran, Irak, Libanon oder der Türkei mit Deutschen zusammen, um gemeinsam Gemüse, Kräuter und Beerenobst anzubauen und zu verwerten.

Aber zwischen den drei Hochbeeten, dem Hügel- und den drei Flachbeeten wird auch gemeinsam gefeiert oder bei den neuen Freunden Ratschläge für alle Lebenslagen gesucht. „Wenn man etwas geerntet hat, gehört man dazu, es hat eine psychologische Bedeutung, wenn man davon erzählen kann“, berichtet Christine Wagner, Projektleiterin der interkulturellen Gärten in Dillingen. Ob Tomatenpflanzen gießen, Johannisbeeren zu Marmelade verarbeiten oder Ringelblumensalbe anrühren, das Lernen der deutschen Sprache ist bei der Gärtnerarbeit ein wichtiger Bestandteil, läuft aber parallel. Also praktisch orientiert, spielerisch und unverkrampft. „Wir haben ein begehbares Vokabular angelegt, bei dem alle Pflanzen mit zweisprachigen Schildern in Deutsch und Arabisch versehen sind“, sagt Wagner. Darüber hinaus ergeben sich für beide Seiten gewisse Aha-Effekte: Die Kleingärtner von Nebenan reichen ihre zu viel Schatten spendenden, abgeschnittenen Weinblätter in den interkulturellen Frauengarten weiter, wo die Blätter dankbar angenommen – und nach arabischem Rezept zubereitet –, den Geschmack der Erstheimat verbreiten. Die arabischen Frauen wiederum haben in einem hier verbreiteten Ziergehölz den Essigbaum, Sumach, erkannt. „So haben wir dieses fruchtige und säuerliche Gewürz wiederentdeckt“, erzählt Wagner.

Die Gärten sind ein Projekt des gemeinnützigen Vereins Zukunftswerkstatt Saar, der noch einen interkulturellen  Teekräutergarten und eine Streuobstwiese in der Dillinger Saaraue betreibt. Für die drei Projekte wendet der Verein pro Jahr 10 000 Euro auf, die er über Spenden bezieht. Bisher gab es auch zweimal Unterstützung vom Sozialministerium.

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