Corona-Krise

Tristesse im sonst so geselligen Saarlouis

Gähnende Leere herrschte am Sonntag auf dem Großen Markt in Saarlouis – der Grund sind die neuen Ausgangsbeschränkungen. FOTO: Iris Neu-Michalik

Saarlouis. Am Tag eins der verschärften Ausgangsbeschränkungen ist die Festungsstadt wie leergefegt. Auch andernorts halten sich die allermeisten Menschen an die neuen Regeln – wenn auch nicht alle.

Die Krähen haben an diesem Wochenende in der Festungsstadt des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. die Regentschaft übernommen: Auf dem menschenleeren Kleinen Markt in Saarlouis scheuchen sie Schwärme hungriger Tauben auf. Am Eingang des Stadtparks, am neuen Festungsteil Ravelin V, verteidigen sie unter ohrenbetäubendem Krächzen ihre großen Nester hoch in den Baumwipfeln – ungestört vom sonst üblichen Autolärm. Die Natur, so scheint es, ist jetzt unter sich. Das Coronavirus hat die quirlige Festungsstadt in eine Art Schockstarre versetzt. Am Tag eins der neuen Ausgangsbeschränkungen (siehe nebenstehender Text), die die Landesregierung dem Saarland verordnet hat, um der Virenausbreitung Einhalt zu gebieten, gleicht Saarlouis einer Geisterstadt. Eisiger Wind und Sprühregen machen es an diesem Samstag den sonst so geselligen und feierfreudigen Menschen hier zusätzlich leicht, zu Hause zu bleiben. Kaum mehr als ein Dutzend Autos parken am frühen Nachmittag auf dem Großen Markt.

Das zeigt: Im Großen und Ganzen halten sich die Saarländer an die verschärften Regeln. Doch es gibt auch weiterhin Ausnahmen: So muss die Saar-Polizei etwa in der Nacht von Samstag auf Sonntag 22 Mal ausrücken, um Verstößen gegen die Allgemeinverfügung nachzugehen. „Einmal hatte eine Gaststätte offen“, sagte Stephan Laßotta, Sprecher der Landespolizei, am Sonntagmorgen. Alles andere seien „private Feiern gewesen.“ Insgesamt habe die Polizei „elf Strafanzeigen“ wegen Verstößen gegen die Verfügung geschrieben.

Bis Sonntagnachmittag, das Wetter ist inzwischen deutlich besser als am Vortag, muss die Polizei noch weitere 16 Mal ausrücken. „Jedoch zu keinen besonderen Vorfällen“, teilte ein Sprecher am Nachmittag mit. Derzeit seien die Menschen sehr sensibilisiert für die Ausgangsbeschränkungen, die die Verfügung vorschreibe, meinte er. Meist ginge es bei den Anzeigen um Gruppen von Spaziergängern, die mit mehr als fünf Leute unterwegs sind – die Grenze für Bewegung an der frischen Luft. Auch ein nicht erlaubter Besuch eines Spielplatzes ist dabei, eine Person geht offenbar gar durch den Saarbrücker Wildpark spazieren, obwohl dieser geschlossen hat. „Die Fälle waren alle unproblematisch zu behandeln“, erklärte der Sprecher.

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