Patienten länger beatmet als medizinisch nötig?

Frankenthal lässt Vorwürfe gegen Klinik untersuchen

Frankenthal. Die Stadt Frankenthal will klären, ob Patienten in der städtischen Klinik länger als medizinisch nötig an Beatmungsgeräten angeschlossen waren. Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) teilte am Freitag mit, er werde externe, neutrale Sachverständige damit beauftragen: „Wir müssen den Hinweisen nachgehen und die Aufklärung vorantreiben.“ Dazu gehöre auch eine Überprüfung der Organisation und von Belastungen in der Pflege.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte am Donnerstag berichtet, in der Stadtklinik Frankenthal würden „offenbar schwerstkranke Patienten aus finanziellen Gründen sehr lange an Beatmungsgeräte angeschlossen, teilweise länger als nötig“. Der Zeitung liege eine Vereinbarung vor, wonach „der Chefarzt der dortigen Intensivstation offenbar Bonuszahlungen bekam, die stiegen, je länger Patienten am Beatmungsgerät hingen“.

Der Rechtsbeistand der Stadt, Edgar Gärtner, erklärte der dpa: „Es gibt keine Hinweise darauf, dass Beatmungsstunden außerhalb einer medizinischen Indikation angeordnet wurden.“ Die Frage, wann ein Patient tatsächlich am Lebensende stehe und dann vor allem palliativ zu behandeln sei, sei äußerst diffizil.

Eine Sprecherin des Mainzer Gesundheitsministeriums sagte: „Die Beatmung von Patienten und ihre Dauer sowie Fehlanreize des derzeitigen Abrechnungssystems sind bundesweit immer wieder Gegenstand von Untersuchungen.“ Aktuelauf Druck der Länder im dafür zuständigen „Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus“.

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