20 Jahre nach den Erscheinungen in Marpingen

Marpingen zieht immer noch Pilger an

Ein stiller Ort der Andacht: Die Außenverehrungsstätte vor der Marienkapelle mit der Muttergottes-Statue und Kreuz.FOTO: Oliver Dietze

Marpingen. Zwischen Mai und Oktober 1999 war die Gemeinde Marpingen bundesweit in den Schlagzeilen. Zigtausende Gläubige überrannten den Ort wegen angeblicher Marien-Erscheinungen dreier „Seherinnen“. Ein Besuch 20 Jahre danach.

Das Morgenlicht lässt die Silberkugeln, die das mit weißen Rosen bestückte Rundbeet als stilisierter Rosenkranz einfrieden, hell erstrahlen. Maria, die Jungfrau ganz in Weiß, blickt in der Mauernische dahinter mit niedergeschlagenen Augen auf das Jesuskind in ihrem Arm. Umrahmt vom satten Grün des Härtelwaldes gibt ein paar Schritte weiter die kleine Kapelle an diesem sonnigen Morgen das idealtypische Postkartenmotiv.

Hier, an diesem Ort im Härtelwald bei Marpingen, seien Wunder geschehen, heißt es. Die Mutter Gottes soll höchstselbst erschienen sein. An der Geschichte scheiden sich die Geister – nicht nur in Marpingen. Die katholische Kirche hat eine offizielle Anerkennung bis heute verweigert. Wie aber stehen die Marpinger heute zu den Wundererzählungen? „Für mich sind sie nicht relevant, und ich denke, für die meisten Besucher auch nicht“, sagt Christel Rech (70). Sie ist eine von 25 Ehrenamtlichen, die für die Pflege der Stätte sowie den Verkauf von Devotionalien und die Betreuung von Pilgern zuständig sind. Die Nähe zur Mutter Gottes, das stille Gebet, der beschauliche Ort, das ist es, was so viele anzieht, meint Christel Rech. Wie sie haben viele Marpinger ihren ganz persönlichen Bezug zu dieser Stätte. Bei Christel Rech ist es der Großvater, der sich, wie sie sagt, als Ortsvorsteher 1932 für die Errichtung der kleinen Kapelle einsetzte, die dann zwischen 1932 und 1935 erbaut wurde.

Demonstriert, wie Wunder geschehen: Gerd Klemm (81), hier mit der Ehrenamtlichen Christel Rech, besucht regelmäßig die Marienquelle. FOTO: Oliver Dietze
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