Iranisches Stück in Forbach

Das Ungesagte in harsche Worte gepackt

Die Männer und Frauen, die Mona Ahmadi, Leyli Rashidi und Saeid Changizian (v.l.) spielen, stoßen permanent an äußere Grenzen.FOTO: Hossein Shojaei

Forbach. Amir Reza Koohestani zeichnet mit „Summerless“ im Carreau ein feines Bild iranischer Seelenlandschaften.

Im Iran sagt man „merci“, und eine Lawine von Ungesagtem wird unter dem Kreisen einer Fledermaus erst richtig groß. Was der Zuschauer am Donnerstagabend aus dem Forbacher Carreau an Handfestem mitgenommen hat, schien beim Schlussapplaus zunächst überschaubar. Es braucht Zeit, bis es durchdacht ist, denn „Summerless“ ist kein leicht zu konsumierendes Stück.

Das Bühnenwerk des iranischen Theatermachers Amir Reza Koohestani wurde von den drei Darstellern in Farsi aufgeführt. Das bedeutete für den Großteil des Publikums, dass es an diesem 70-minütigen Theaterabend 99,99 Prozent des gesprochenen Wortes nicht verstand. Mit Ausnahme von besagtem „merci/mersi“, das frankophone Iraner gerne verwenden. Abhilfe schaffte deutsche und französische Übertitelung. Allerdings hat Koohestani sein Werk sehr stark auf Dialog gebaut, weshalb nicht Farsi-Bewanderte mit den Augen am Schriftband kleben mussten. Aber auch schauspielerisch hob man sich von gängigen Theatererfahrungen ab.

Mona Ahmadi, Saeid Changizian und Leyli Rashidi spielen ihre Rollen – eine junge Mutter, ein Lehrer und eine Aufseherin, die immer wieder auf dem Hof einer iranischen Mädchenschule aufeinandertreffen – körperlich sehr statisch. Meist sitzen oder stehen sie, rezitieren beinahe bewegungslos. Ein ungewohnter Kontrast, der sich unverhofft potenziert – und zwar durch das minutenlange, kongeniale Kreisen einer aufgescheuchten Fledermaus über der Bühnenkulisse. Denn sonst bewegt sich nur der Künstler (Saeid Changizian), der vergeblich Slogans der Islamischen Revolution übermalen soll, auffällig viel.

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