Kamera-Flut in Saarbrücken

Die Überwachungsstadt

Ein normles Bild in Saarbrücken: Eine Überwachungskamera observiert ein Grundstück in der Landeshauptstadt – hier in der Talstraße. FOTO: Robby Lorenz

Saarbrücken. In Saarbrücken filmen immer mehr Kameras Eingänge, Innenhöfe und Plätze. Doch zum Sicherheitstrend gibt es auch Gegenbewegungen.

Kameras. Überall sind Kameras, hier in Saarbrücken. Die Innenstadt scheint voll davon. Am Hauptbahnhof beispielsweise werden gerade neue Hightech-Geräte getestet. Ein paar Meter weiter Richtung Innenstadt filmt eine Linse den Eingang eines kleinen Tabakladens. In der Kaiserstraße hängen ebenfalls Dutzende. Sie bewachen Bankautomaten und Spielotheken, filmen Ein- und Ausgänge. Im Nauwieser Viertel geht es so weiter an Bars, Friseursalons, Mietshäusern, Innenhöfen. Sie sind einfach überall – und zeichnen Tag und Nacht im Akkord auf, was sich vor ihnen abspielt. Saarbrücken gleicht einer Überwachungsstadt.

Es scheint so, als habe Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) recht gehabt, als er vor drei Jahren nach dem Amoklauf von München erklärte: „Sicherheit ist das höchste Gut einer Demokratie.“ In der Folge plädierte er für mehr Überwachungskameras. Sein Aufruf war offenbar erfolgreich – auch in Saarbrücken. Wie viele Kameras das Leben der Passanten flüchtig mitschneiden, kann nicht mal das Unabhängige Datenschutzzentrum des Saarlandes sagen. Die Beschwerden darüber nehmen zumindest zu, heißt es dort.

Nicht jeden Bürger macht dieser Trend glücklich. „In unseren Städten gibt es kaum noch einen öffentlichen Raum, der nicht unter dauernder Beobachtung steht“, warnte ebenfalls bereits vor drei Jahren ein Netzaktivist namens Max Kamba im Blog Netzpolitik.org. Bekannter als sein Name ist die Web-Initiative, die er ins Leben gerufen hat. „Surveillance under Surveillance“. Auf Deutsch: „Überwachung unter Überwachung“. Das Herz der Protestseite ist eine Weltkarte. Dort kann jeder, der einen Open-Street-Map-Account hat, Kameras in seiner Stadt markieren – und einzeichnen, wer mit welchen Geräten und was filmt. Auch in Saarbrücken. Die Seite befeuert so auch die Wertedebatte, was wichtiger für Deutschland ist: Sicherheit oder Freiheit. Für „Surveillance“ ist es die Freiheit. 

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