Eisenstein-Schau in Metz

Der Vater des monumentalen Bildes

Kaum bekannt: Für seine packenden Szenen, wie in „Alexander Newski“, schöpfte Eisenstein aus Meisterwerken der Kunst. FOTO: Russian State Archive of Literature and Art

Metz . Action, Pathos und Ikonographie: Metzer Centre Pompidou widmet Kinopionier Sergej Eisenstein eine erhellende Retrospektive.

Das schreiende Baby im Kinderwagen, seine Mutter, die von einer Kugel getroffen wird, eine Menschenmasse in Panik. Aber vor allem der Kinderwagen, der losgerissen im Kugelhagel eine Freitreppe hinunter saust. Eine monumentale Treppe mit schier endlosen Stufen. Selbst Filmfans, die den Film nie gesehen haben, kennen diese Szene auf der Hafentreppe von Odessa, die Sergej Eisensteins Stummfilm „Panzerkreuzer Potemkin“ berühmt gemacht hat.

Im Metzer Centre Pompidou läuft die Szene in Endlosschleife auf Großbildschirm und führt vor Augen, wie stilistisch zeitlos und packend sie auch 95 Jahre nach ihrer Entstehung noch ist. Allein sie lohnt einen Bummel durch die Ausstellung „Das Ekstatische Auge. Sergej Eisenstein, Filmemacher am Kreuzweg der Künste“, die das Werk des wohl bekanntesten sowjetischen Filmregisseurs beleuchtet.

Schnell lernt man hier, Eisenstein (1898-1948) war mehr als „nur“ ein Filmemacher. Der in Riga Geborene trat als stilprägender Filmtheoretiker und sehr bewanderter Kunsthistoriker in Erscheinung. Wie mannigfaltig Eisensteins Werk geprägt war, stellt die Schau überraschend und spannend dar. Denn der Filmemacher ließ sich in seiner Bildgestaltung von Klassikern und Zeitgenossen der Malerei, Gravur, Zeichnung und Bildhauerei stark beeinflussen und verwies unter anderem auf Werke von Michelangelo, Eugène Delacroix, Félix Vallotton und Alexander Rodtschenko.

top