Neue CD

Mit Folk zum Erfolg

Die Band An Erminig ist eine Instution in der Folk-Szene. Bereits seit 45 Jahren spielen sie zusammen. FOTO: Thomas Reinhardt

Bous. Seit 45 Jahren begeistert An Erminig mit bretonisch-keltischem Folk made im Saarland. Nun päsentieren sie ein neues Album.

Was die Lebensdauer angeht, kann die Gruppe es bald mit den Rolling Stones aufnehmen. Und das auf einem absoluten Nischengebiet: Seit unglaublichen 45 Jahren begeistert „An Erminig“ mit bretonisch-keltischem Folk made in Saarland (und Lothringen). Mit Respekt vor der Tradition und gleichzeitig offen für Innovatives, entwickelt die Band im steten Austausch mit der internationalen Folkszene eigenständige Programme. Das typische Konzertrepertoire ist eine Mischung aus überlieferten Elementen und Eigenkompositionen in französischer und bretonischer Sprache, auf Basis des charakteristischen bretonischen Wechselgesangs („Kan Ha Diskan“). Neben typischen Balladen („Gwerz“) dominieren traditionelle Tanzweisen, denn die musikalische Basis von An Erminig sind die Rhythmen jener Reihen- und Rundtänze, wie sie noch heute auf den bretonischen Tanzfesten, den so genannten „Fest-Noz“ und „Fest Deiz“, fortleben – kein Wunder also, dass Auftritte von An Erminig immer auch die Atmosphäre dieser Feiern vermitteln, was regelmäßig viele Tänzer anlockt.

Seinen Namen leitet das Ensemble vom Hermelin der bretonischen Fahne ab, als Symbol einer kulturell eigenständigen keltischen Region. Den Ruf als deren Botschafter konnte die Band mit unzähligen Konzerten quer durch Europa, zig Liveprogrammen und mittlerweile fünf Tonträgern erfolgreich festigen – jetzt geht die Gruppe mit ihrer neuen CD „Plomadeg“ auf Release-Tour. Gründungsmitglieder von An Erminig sind Barbara Gerdes und die beiden Brüder Andreas und Hans Martin Derow. Seine Kenntnisse der bretonischen Musik erwarb das Trio mit Zweitwohnsitz in der Bretagne während zahlloser Aufenthalte vor Ort, durch eigene Recherchen sowie bei Tanz-Kursen und Workshops namhafter Musiker. Als Multi-Instrumentalisten zeichnen Barbara Gerdes und Andreas Derow (Gesang) für das authentische Klangbild, Programm und künstlerisches Profil verantwortlich; Hans Martin Derow singt ebenfalls, spielt hauptsächlich Akustik-Gitarre und kümmert sich um Management, Technik und Öffentlichkeitsarbeit. Hans Martin kam in Fulda zu Welt; sein Bruder Andreas wurde im Saarland geboren, Barbara Gerdes stammt aus Bremen – aufgewachsen sind alle drei bei Bonn, wo An Erminig 1975 gegründet wurde. „Da war ich als Ältester des Trios 19 Jahre alt“, erinnert sich Hans Martin Derow schmunzelnd. „Wir waren alle noch Schüler, einer unserer ersten Auftritte war bei unserer Abitur-Feier. Dass wir danach zusammen ins Saarland übersiedelten, hatte einen einfachen Grund: Barbara begann ein Dolmetscher-Studium an der Uni Saarbrücken, um der Band willen sind Andreas und ich ihr gefolgt – für Gärtnerausbildung und Zivildienst.“

Und dann ging es ihnen wie vielen Zugereisten: Sie schlugen hier Wurzeln. Doch woher rührt die gemeinsame Begeisterung für die keltische Musik der Bretagne? Hans Martin Derow verweist auf deren starke Präsenz im dortigen kulturellen Leben, insbesondere in Verbindung mit dem bretonischen Tanz: „Das ‚Fest Noz‘, das seit 2012 auch zum immateriellen Unesco-Weltkulturerbe gehört, bringt überall in der Bretagne allwöchentlich Alt und Jung zum Tanzen zusammen. Wir selbst tanzen leidenschaftlich gerne und vermitteln das auch in Workshops –- es freut uns sehr, dass es durch unsere Initiative mittlerweile viele Fans im südwestdeutschen Raum gibt.“ Zum anderen besitze die Musik ein enormes kreatives Potential, das jede Generation neu entdecke und in Kombination mit anderen Stilistiken neu interpretiere. Und schließlich, ergänzt Derow, sei es auch das Land selbst: mit seiner „vielfach noch archaischen Kulturlandschaft“, seinen „schroffen, zu allerlei Märchen und Mythen anregenden Steilküsten“ im Norden und dem Finistère im Westen. Nicht zu vergessen „der wunderbare Menschenschlag, den wir in unser Herz geschlossen haben“.

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