Ist da noch was los im Kulturpark Bliesbruck-Reinheim?

Hier ist gar nichts „eingeschlafen“

Jedes Jahr nehmen Studenten an einem Internationalen Grabungscamp im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim teil. FOTO: Picasa

Reinheim. Die archäologischen Grabungen im Kulturpark Bliesbruck-Reinheim haben keineswegs nachgelassen.

Kommt da noch was, oder ist da nichts mehr? Das fragen sich ein ums andere Mal Passanten und Anwohner im Umkreis des Kulturparks Bliesbruck-Reinheim. Und weil sie sich fragen, ob die Arbeiten auf der deutschen Seite des Grabungsgeländes der einst gallo-römischen Siedlung mittlerweile eingeschlafen sind, hat die SZ an der Quelle nachgefragt: beim Saarpfalz-Kreis. Von deren Pressestelle erhält man eine sehr detaillierte Darstellung auf sieben Din-A-4-Seiten. Die wichtigsten Aussagen in Kürze:

„Die Grabungsaktivitäten sind definitiv nicht eingeschlafen. Allein in den letzten acht Jahren finden in Reinheim alljährlich Grabungen in einem Nebengebäude sowie nördlich des Badetraktes der römischen Palastvilla statt. 2013 bis 2014 wurde zudem eine Fläche innerhalb des Hofareals der Villa durch eine Ausgrabung untersucht; die Fläche wird diesen Sommer erneut geöffnet werden“, heißt es seitens der Verwaltung. In Bliesbruck seien im betreffenden Zeitraum mehrere Wohnhäuser des römischen Vicus südlich der Thermen sowie ein möglicherweise als Tempel zu nennendes Gebäude untersucht worden. Dies habe wichtige neue Erkenntnisse u. a. zum Aussehen der antiken Siedlung gebracht. Da diese Flächen jedoch landwirtschaftlich genutzt würden, habe man die Ausgrabungsbefunde nicht oberirdisch konserviert.

Weiter heißt es: „Die Flächen, die inzwischen bei den Ausgrabungen geöffnet werden, entsprechen – gemessen an Quadratmetern – nicht mehr jenen aus den 1970er/80er-Jahren. Darin spiegelt sich jedoch kein Rückgang der dafür aufgewendeten Budgets, sondern eine europaweit neue denkmalpflegerische Sicht auf archäologische Ausgrabungen wider. Letztere stellen immer auch eine Zerstörung des Originalbefundes dar, weshalb eine Freilegung nur noch für gezielte Fragestellungen empfohlen wird. Dafür werden diese kleineren Flächen wesentlich detaillierter untersucht als bei Altgrabungen, bei denen man sich meist nur auf das Erfassen der Gebäudestruktur beschränkte.“ In den letzten Jahren hätten zudem Kooperationen mit renommierten Partnern aufgebaut werden können: mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der Saar-Universität sowie der Università Chieti-Pescara (Italien). Zusammen mit diesen seien sowohl die Arbeiten im Parkgelände, die Aufarbeitung des Fundmaterials sowie zahlreiche Maßnahmen im Umland umgesetzt worden. Für die Erfassung und Rekonstruktion der seit 2015 im Rückbereich des Hauptgebäudes der Villa von Reinheim geborgenen Wandmalereien bestehe seit 2018 zudem eine Kooperation mit dem Fraunhofer Institut.

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