Geschlechterkampf

Die Frau, die eine „Kundin“ sein möchte

Lächelnd, aber hartnäckig: An diesem Dienstag zieht Marlies Krämer aus Sulzbach vor das höchste deutsche Gericht. Die Rentnerin klagt vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe, dass Sparkassen auf ihren Formularen auch die weibliche Form von „Kunde“, also „Kundin“, nennen müssen. FOTO: dpa / Oliver Dietze

Sulzbach/Karlsruhe. Heute streitet Marlies Krämer in Karlsruhe vor dem Bundesgerichtshof gegen die Sparkasse Saarbrücken für ihr Recht als Frau. Sie möchte in Formularen „Kundin“ genannt werden – und nicht „Kunde“.

 „Kunde“, „Kontoinhaber“, „Einzahler“, „Sparer“ – Marlies Krämer, engagierte Kämpferin für Frauenrechte aus Sulzbach, fühlt sich mit diesen männlichen Bezeichnungen nicht angesprochen. Die 80-Jährige will auch in Formularen als das wahrgenommen werden, was sie ist: als Frau – und hat deshalb ihre Sparkasse verklagt. An diesem Dienstag (ab zehn Uhr) prüft der Bundesgerichtshof in Karlsruhe den Fall (VI ZR 143/17). Das Verfahren mag manchem als Posse erscheinen – je nach Entscheidung der höchsten deutschen Zivilrichter könnte der Ausgang aber durchaus Folgen für die Fortentwicklung der Rechts- und Formularsprache haben.

„Es geht ums Prinzip“, sagt ihr Anwalt Wendt Nassall. Um Gleichbehandlung, wie es das Gesetz vorschreibt. Marlies Krämer reicht es nicht, dass ihre Bank sie im Gespräch und in persönlichen Schreiben als „Frau“ anspricht. Sie will sich auch in unpersönlichen Formularen als „Kundin“, „Kontoinhaberin“, „Einzahlerin“ oder „Sparerin“ wiederfinden. „Es ist mein verfassungsmäßig legitimes Recht, dass ich als Frau in Sprache und Schrift erkennbar bin“, sagt sie.

100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts sollte das aus Sicht von Stevie Schmiedel selbstverständlich sein. Die Gründerin der Initiative „Pinkstinks“, die seit Jahren gegen Geschlechterklischees angeht, meint: „Es ist unfassbar, dass alle Geschlechter 2018 noch als Männer angesprochen werden.“ Nur „mitgemeint“ sei nicht genug. Sie unterstützt die Klage und hofft auf eine intensive Debatte.

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