Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter...

Der Urlaub ruft - auf nach Italien

FOTO: SZ / Robby Lorenz

Seit einer Woche sind Ferien, und einige Leute sollen trotz eindringlicher Warnungen von Klimaschützern dennoch in Urlaub gefahren sein, noch dazu etwas weiter als an den Wintringer Hof oder ans Beeder Biotop.

Das ist natürlich nicht in Ordnung, vor allem, wenn dafür ein Diesel-Auto oder gar ein Flugzeug benutzt wurde. Doch nicht nur die Fortbewegungsmittel, auch einige Regierungschefs stehen auf der schwarzen Liste: Nach USA? Bloß nicht. Türkei? Geht nicht. Russland? Oje.. Immerhin soll es noch Leute geben, die trotz Rackete supergerne nach Italien fahren. Denn sobald man italienischen Boden betritt, wird schlagartig der Kaffee aromatischer und das Essen besser. Die Kellner wuseln durch die Tische, balancieren auf einer Handfläche riesige Pizza-Fladen durch die Menge und schmettern dabei „O sole mio“. Zudem haben die Italiener illustre Vorfahren, deren marmorne Säulen und ausgegrabene Landvillen Besucher magisch anziehen. Nun könnte man bezüglich römischer Landvillen auch in Perl bleiben, aber so viel Verzicht sollten dann doch besser „die anderen“ üben.  Zumal schon vor 150 Jahren eine wohlhabende Elite aus dem Norden von Italien schwärmte und das Land zur Projektionsfläche für den romantischeren Teil ihrer Seele machten und dafür die Reise auf sich nahmen. Sie kamen klimafreundlich mit der Kutsche angereist, was bei der Alpenüberquerung etwas abenteuerlicher gewesen sein muss als der Gotthardt-Basistunnel. In Urlaub fahren war keine Massenbewegung wie heute, damals galt noch das segensreiche Dreiklassenwahlrecht, und die, die sich’s leisten konnten, waren unter sich, hatten ihre Ruhe und mussten sich nicht um Liegestühle zanken. Das waren noch Zeiten! Wie sagten Dieselgegner? „Wenn alle ihren Diesel-Stinker abgeben müssen, dann ist künftig die Autobahn wunderbar leer“. So passen fingierte Bescheidenheit und elitäres Denken wunderbar zusammen - beim Auto wie beim Urlaub.

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